Checkdisout #6: Future Mobility am 16. Februar 2012

Checkdisout ist Hamburgs erste Diskussionsrunde, die sich exklusiv mit aktuellen Themen aus Gesellschaft, Medien, Kunst und Kultur auseinandersetzt.

Das Auto verliert bei immer mehr Menschen seinen Sex-Appeal: irgendwo zwischen Peak-Oil, CO2-Fussabdruck und Abwrackprämie wurde der Mythos vom “heiligen Blechle” plattgemacht. Der Umgang mit Mobilität hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Großstädte errichten Umweltzonen, öffentliche Fahrradleihsysteme erleben einen weltweiten Boom und selbst in den USA, der Wiege der automobilen Freiheit, werden neue Hochgeschwindigkeits-Zugstrecken geplant oder Straßenzüge zu Radwegen umgebaut.

Sowohl die Autoindustrie als auch öffentliche Verkehrsbetriebe reagieren auf diese Veränderungen: neue Mobilitätsangebote sprießen wie Pilze aus dem Boden. Können Services wie Zipcar, Car2Go, Mu, Quicar, Flinkster & Co die Mobilitätsprobleme von morgen lösen? Oder ist der motorisierte Individualverkehr eine Sackgasse?.

Checkdisout #6: Future Mobility lädt Vordenker und Macher neuer Mobilitätslösungen in den Kunstverein Hamburg ein und fragt nach ihrer Vision für die Zukunft der Mobilität. Wie werden wir in Zukunft von A nach B reisen? Wie können mehr Menschen zum Verzicht auf das eigene Auto gebracht werden? Warum wird teilen wichtiger als besitzen? Wie lassen sich Ressourcen effizienter nutzen und teilen? Müssen wir unser Selbstverständnis von Mobilität neu definieren?

Sprecher

Robin Chase 
ist die Gründerin und ehemalige CEO von Zipcar, dem weltweit größten Car-Sharing Unternehmen mit Sitz in den USA. 
Nach Zipcar hat sie bereis zwei weitere Firmen gegründet: GoLoco (eine Mischung aus Car-Pooling und sozialem Netzwerk) und Buzzcar (ein Peer-to-Peer Carsharing Service mit Sitz in Paris).
Sie wurde vom Time Magazine 2009 als eine der 100 weltweit einflußreichsten Menschen ausgewählt, Fast Company zählte sie bereits zu den 50 Champions of Innovation.

Markus Barnikel ist der CEO von carpooling.com. Das Unternehmen mit Sitz in München hat 2011 monatlich Mitfahrgelegenheiten für 1.000.000 Personen vermittelt und ist damit Europas größte Mitfahrzentrale. Barnikel war zuvor zehn Jahre in verschiedenen führenden Positionen bei Yahoo! weltweit tätig. Zuletzt als Mitglied der Geschäftsführung in Australien und Neuseeland sowie als internationaler Vertriebschef  in den USA mit Verantwortung für den Mediavertrieb in Europa, Asien und Lateinamerika.  

Andreas Leo ist Corporate Communications Manager bei car2go, einem Tochterunternehmen der Daimler AG. Nach dem Studium der Soziologie und Geographie hat ihn sein Berufsweg vom Stadtplaner beim Umweltministerium Brandenburg über verschiedene Architekturbüros in Berlin zu car2go gebracht.
Das 2008 gestartete Service-Konzept bietet registrierten Nutzern mehrere hundert smarts in ausgewählten Städten zur spontanen Kurzzeitmiete. Seit 2011 gibt es car2go auch in Hamburg.  

Wann?
16. Februar 2012, Einlass 19:00 Uhr, Beginn 19:30 

Wo?
Kunstverein Hamburg, Klosterwall 23, 20095 Hamburg

What?
Die Paneldiskussion findet in englischer Sprache statt.

Checkdisout #6 wird veranstaltet mit freundlicher Unterstützung von:
Kunstverein Hamburg, U.S. Consulate General Hamburgcar2goPilsner Urquell

Tickets
Begrenztes Sitzplatzkontingent. Tickets sind nur im Vorverkauf erhältlich auf: www.checkdisout.com. Reguläres Ticket: 15 EUR (nur für Privatpersonen). Firmen und Agenturen: bitte unterstützen Sie Checkdisout durch den Kauf von Business-Tickets zum Preis von 30 EUR pro Ticket, ermässigte Tickets für Studenten, Schüler usw. nur mit gültigem Nachweis zum Preis von 12 EUR. amiando.

Konferenz – Online Event Management mit Ticketing Lösung von amiando

Checkdisout #6: Future Mobility invites thinkers and creators of new mobility services on a panel at Kunstverein Hamburg and asks for their vision of future mobility. How will we travel from A to B in the future? How can more people be convinced to do without an own car? How can our ressources be used more efficiently? Do we need to redefine our self-conception of mobility?

Tickets

Checkdisout ist Hamburgs erste Diskussionsrunde, die sich exklusiv mit aktuellen Themen aus Gesellschaft, Medien, Kunst und Kultur auseinandersetzt.

In Hamburg gibt es aktuell eine Reihe umstrittener Bauvorhaben, in Stuttgart gehen Menschen auf die Straße, um einen unterirdischen Megabahnhof zu verhindern. Egal, um was es geht- zu jedem Projekt gibt es die passende Protestbewegung.

Wem gehört die Stadt? Und wer darf sie eigentlich gestalten? Planen die Planer vorbei an den Menschen? Kann es überhaupt menschliche Stadtplanung geben? Welche Möglichkeiten bieten moderne Informationstechnologien, um Städte rund um den Globus besser zu machen? Bei aller Hamburg-Zentriertheit interessiert uns an diesem Abend: Was passiert eigentlich in anderen Städten?

Checkdisout #5: Stadtgespräch beschäftigt sich mit Entwicklungsprozessen in Städten und wagt den Blick über den Tellerrand hinaus. Wir haben Sprecher aus anderen europäischen Ländern eingeladen, sowie Akteuere aus Hamburg, die den Dialog um die Stadt genauso konstruktiv wie kreativ vorantreiben.

Checkdisout #5 wird veranstaltet mit freundlicher Unterstützung von:
ZEIT Stiftung
U.S. Consulate General Hamburg
Kunstverein Hamburg

Sprecher
Carlo Ratti
Director MIT Senseable City Lab, Boston @SenseableCity

Tino Buchholz
Filmmaker Creativity and the Capitalist City

Julian Petrin
Founder and CEO Nexthamburg@nexthamburg

Wann?
7. September 2011, Einlass 19:00 Uhr, Beginn 19:30 (pünktlich)

Wo?
Kunstverein Hamburg, Klosterwall 23, 20095 HAMBURG

What?
Die Veranstaltung findet in ENGLISCHER SPRACHE statt.

Tickets
Begrenztes Sitzplatzkontingent. Karten nur im Vorverkauf erhältlich auf: www.checkdisout.com. Early Bird Tickets: 20 EUR (nur für Privatpersonen, solange Vorrat reicht, danach regulärer Preis: 25 EUR) Business Bundles: Ab 2 Tickets 35 EUR pro Ticket, ermässigte Tickets für Studenten, Schüler usw. nur mit gültigem Nachweis zum Preis von 15 EUR. Checkdisout ist eine Veranstaltung von Matthias Weber in Kooperation mit dem Kunstverein Hamburg. Kontakt: matthias/AT/checkdisout.com


Online Event Registration mit amiando

Checkdisout #5: City Talk deals with development processses in today’s cities. Hamburg has seen a lot of controversial large-scale building projects (e.g. Hafencity), no matter what they’re about- there’s always a protest group forming up. What happens in other cities? Checkdisout takes a peak outside the Hamburg city boundaries and invites speakers from other European countries aswell as doers from Hamburg, who are constructively pushing the dialogue on the future of cities forward. We are taking a special look on people and projects using their creativity to solve pressing issues.

Checkdisout #4: Wer glotzt TV?

Am 18. Mai 2010 hat Checkdisout in Zusammenarbeit mit Made For Full Screen neue Perspektiven, Formate und Macher von Bewegtbildinhalten im Kunstverein Hamburg vorgestellt. Seitdem ist mehr als ein Jahr vergangen – sehr viel Zeit angesichts rasender Entwicklungs-Zyklen unserer Gegenwart.
Wir haben uns trotzdem entschieden, so spät noch die Video-Dokumentation des Abends zu veröffentlichen. Schnee von gestern? Matthias Weber und Mirko Kubein zeigen, dass sich in der Zwischenzeit, vor allem in Deutschland, erstaunlich wenig getan hat.



Zu Gast bei Checkdisout: #4 Wer glotzt TV? waren Stephanie Renner, die Mitbegründerin des Online-Musikvideo-Senders tape.tv, Frerk Lintz, Macher des unabhängigen Interview-Magazins FOLGE, Volker Heise, der mit zero one film u.a. das Fernseh-Experiment 24h Berlin produzierte und Nikolai Longolius von schnee von morgen, die für die Entwicklung und Umsetzung von Online-Angeboten wie dctp.tv und zuletzt spiegel.tv verantwortlich sind.Longolius widerlegte in seiner unterhaltsamen Präsentation zunächst einige Web-Video-Klischees: “Es stimmt einfach nicht, dass der Internet-User nur 10 Sekunden Zeit hat”. Volker Heise erzählte aus der Budget-Realität im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: “2,7 Millionen, 2 Tatorte”. Frerk Lintz schilderte sein Einzelkämpfer-Dasein: “Ich komm nicht in die Sender rein, die Verlage wollen nicht wirklich was zahlen und ich will eigentlich nur meine Interviews machen.” Und Stephanie Renner polarisierte mit ihrer Aussage, dass “Entertainment auch immer etwas mit Faulheit zu tun hat.”

Die Diskussion zeigte vor allem die beeindruckende Leidenschaft und visionäre Ausdauer der vier Panel-Teilnehmer bei ihrer Arbeit und offenbarte gleichzeitig Fehleinschätzungen klassischer Sender zum Thema Web-TV. Nicht nur die budgetäre Schieflage zwischen großen TV-Produktionen und den nicht minder qualitativen Nischenproduktionen im Web, auch die generelle Ignoranz gegenüber technischen und inhaltlichen Innovationen aus dem Internet, wie sie die Diskutanten schilderten, ließ damals im Mai 2010 die Erkenntnis von Nikolai Longolius für alle gelten: “Die Fernsehwelt und die Internetwelt schmusen einfach nicht miteinander.”

Was ist seither passiert?

Besonders in technologischer Hinsicht war nur wenige Tage vor unserer Veranstaltung Großes vollmundig angekündigt worden: Google TV. Die einfache wie faszinierende Vision von Google dahinter war, Fernsehen und Internet (also vor allem Googles Internet-Service wie “Suche”) miteinander zu vereinen. Ein Jahr später, Ende April 2011 titelte das US-Media-Blog Mashable: What’s the matter with Google TV? / Was ist mit Google TV los? In diesem Post legt Mashable-Redakteur Ben Parr die schleppende Absatz-Entwicklung vonLogitechs Google-TV-Geräten offen:

“$18 million in Google TV-related products in Q4. But in its earnings report, the company revealed that it only sold $5 million in Google TV devices. Logitech also revealed that its inventory is up 28% in Q4 — thanks to all those unsold Google TV devices.”

Der während der Google Entwicklerkonferenz I/O in 2010 angekündigte Launch der neuen IPTV-Plattform war offensichtlich ein Fehlstart. Neben zu wenigen Google-TV-fähigen Geräten hatte auch das User-Interface, so Mashable, seine Schwächen. Für Frerk Lintz von FOLGE ein klares Experiment und Google-typisch, frei nach der Devise: “austesten, was geht”. Den mangelnden Erfolg von Google TV in Deutschland sieht Nikolai Longolius auch mit einem Image-Problem der Marke Google in Deutschland verbunden:

“Ich glaube, dass das deutsche Street-View-Debakel Google in den nächsten Jahren davon abhalten wird, in Deutschland Innovationen bevorzugt auszuliefern. Das ist tragisch.”

Drei weitere Services bzw. Produkte aus den USA, dem Heimatland des Fernsehens, haben im vergangenen Jahr für neue Aufmerksamkeit gesorgt. Zum einen hat Apple im September 2010 die zweite Generation seines Apple TV vorgestellt. Mit einem Preissturz und einer weiteren Miniaturisierung des Geräts hat Apple einen großen Schritt in Richtung Massenmarkt getan. Apple sitzt zwar in seinem walled-garden bestehend aus iOS, iTunes und Hardware, die Geschäfte laufen dennoch großartig. Die Margen auf Apple Produkte sind enorm. Und seit der cleveren Einführung von iTunes, das den Vertrieb von digitalen Inhalten zweifelsfrei revolutioniert hat, steht der Konzern unangefochten an der Spitze der digitalen Content Vertreiber. Von einem marktbeherrschenden Durchbruch ist Apple TV in Deutschland jedoch auch 2011 noch weit entfernt.

Den Wunsch vieler Nutzer nach mehr Flexibilität und vor allem “Inhalte zum Mitnehmen” erfüllt Boxee bereits seit 2007. Was zunächst als reine, zudem kostenlose, Software mit einem sehr smarten Bookmarklet begann, mit dem man Videos von beinahe allen Webseiten für den späteren Genuss zwischenspeichern und verwalten kann, wurde im Winter 2010 durch die ebenso in Deutschland erhältliche Hardware Boxee-Box erweitert. Laut Digitimes erwartet Boxee für 2011 zwar einen Absatz von rund 100.000 Einheiten der Box, der große Brückenschlag ist das aber auch nicht.

Schließlich bleibt noch Hulu, eine Online-Videothek nach dem Freemium-Prinzip, die vor allem die neuesten US-Serien aller großen TV-Stationen anbietet, bisher jedoch nur Nutzern mit amerikanischer IP-Adresse zur Verfügung steht. Was mit einigen gekonnten Einstellungen am Heimcomputer in Deutschland umgangen wurde, könnte demnächst vielleicht ganz einfach und legal werden. Hulu hat sich vor wenigen Tagen zum Verkauf angeboten und führt Gespräche mit Google, Yahoo und Microsoft. Je nachdem wer den Fisch angelt, der könnte ihn bald auf dem hiesigen Markt anbieten wollen.

Bereits auf dem Panel 2010 fiel das aus den USA bekannte Stichwort Social TV. Die Rolle bspw. von Twitter im TV hat sich zumindest jenseits des Atltantiks seitdem auch weiter gefestigt. Die Parallelnutzung von Twitter und Fernsehen ist für einige Fernsehsender dort ein “match made in heaven”, doch in Deutschland findet man bis heute leider immer noch keine Anwendungen, die den Twitter-Visualisierungen von “Stamen” für die MTV Video Music Awards das Wasser reichen könnten. Korrigiere: Es gibt nicht mal etwas Vergleichbares im deutschen Fernsehen. WebTV-Experte Markus Hündgen fasst in einem Beitrag im ZDF-Blog “Hyperland” im Juni 2011 die aktuelle Lage sehr ernüchternd zusammen. “Für die Mitglieder des Social-TV-Clubs kann der lang gehegte Traum von der ‘Web-TV-Revolution’ deswegen schneller platzen, als gedacht,” meint Hündgen und begründet dies vor allem mit dem Fehlen einheitlicher Kommunikations-Standards bei den bisherigen Social-TV-Anbietern.

Mehr Inhalte!

Technisch gesehen, sind die Entwicklungen im Grenzbereich zwischen Web und TV also kaum weiter als vor einem Jahr. Doch schon damals wünschte sich Nikolai Longolius, statt immer nur über die neuesten technischen Möglichkeiten zu diskutieren, einfach mehr gute Inhalte: “Ich glaube, vielmehr stellt sich gerade die Frage der Sinnhaftigkeit. Ganz viel davon ist einfach echte Scheiße.” Eine Erkenntnis, die in dieser drastischen Form wohl auch heute noch Bestand hat. Lobenswert ist grundsätzlich, dass große Player es sehr vereinzelt immer wieder wagen, teure Content-Experimente zu starten. Zu den kläglich gescheiterten Angeboten kann sich nach Holtzbrincks WatchBerlin, dem vielgelobten Hobnox, nun auch das im Verlauf des letzten Jahres eingestellte Telekom-Webvideo-Portal 3min.de zählen. Frerk Lintz:

“3min.de fand ich von Anfang an sehr unkonzeptionell und wenig fokussiert. Hat mich selber auch wenig interessiert, weil ich nicht kapiert hatte, wo die hin wollen. Wussten sie wahrscheinlich selber nicht.”

Wieder einmal wurde viel Geld verbrannt.

Aus den Fehlern der anderen lernt hoffentlich das von uns freudig erwartete und zumindest unter Kulturfernsehen-Liebhabern mit einem Imagevorsprung ausgestattete öffentlich-rechtliche Web-Angebot ARTE Creative, das Ende 2010 startete. Projektleiter Alain Bieber, der bei Checkdisout #2 noch als Kämpfer für innovative Printformate mit Lead-Award-Chef Markus Peichl stritt, zieht auf Anfrage eine positive Zwischenbilanz:

“Die Entscheider hier sind alle glücklich & happy mit ARTE Creative; es geht mit kleinen Schritten vorwärts, aber es geht voran…”.

Bisher arbeitet ARTE Creative autark und nur online, die Anbindung an den Sender ist jedoch im Zuge gemeinsamer Projekte in Arbeit.

Die Frage, wie sich dieses reine Online-Angebot mit dem in letzter Zeit viel diskutierten Rundfunkstaatsvertrag verträgt und wann die “Privaten” auch dagegen auf die Barrikaden gehen, wie kürzlich mit ihrer Klage gegen die Tagesschau-App, stellen wir hier besser nicht zu laut. Denn wir halten diese öffentlich finanzierte Tobewiese für kreative “Bewegtbildmacher” unter den bestehenden Marktbedingungen für unschätzbar wertvoll. Denn so wichtig Experimente sind, um Neues überhaupt entwickeln zu können: sie haben leider keinen Markt. Das beweisen die oben genannten, gescheiterten Web-Portale, und für das Fernsehen attestiert Volker Heise im Mai 2010 auf unserem Podium ähnliches:

“Ja, es stimmt: es gibt eine Innovationsfeindlichkeit im deutschen Fernsehen. […] Innovativ sein bedeutet: Geld ausgeben.”

Panel-Teilnehmer Nikolai Longolius, der nach Checkdisout #4 maßgeblich an der Entwicklung und Umsetzung des erst im Juni 2011 gestarteten Web-Kanals spiegel.tv beteiligt war, gibt nach einer aktuellen Anfrage allerdings zu bedenken: “Obwohl ich den aus Gebührengeldern produzierten Content sehr schätze, müssen wir sehr aufmerksam sein, welche Geschäftsmodelle mit diesen Subventionen erschwert werden und welche unmöglich gemacht werden.” Mit seinem neuesten Projekt zeigt er sich aber sehr zufrieden:

“Spätestens mit dem Projekt spiegel.tv gibt es wirtschaftlich erfolgreiches webTV in Deutschland. […] Es ist mir persönlich sehr ans Herz gewachsen, da es momentan die Art und Weise repräsentiert, wie ich in Zukunft fernsehen möchte.”

Als seltenes Beispiel für einen gelungenen Spagat zwischen privat und öffentlich-rechtlich, zwischen Web und TV kann die sehr junge Zusammenarbeit von tape.tv und dem Anfang Mai 2011 auf Sendung gegangenen Spartenkanal ZDF.kultur gelten: die zuerst live im Netz gestreamte und einen Tag später im TV ausgestrahlte Musik-Sendung on tape. Online first jetzt also auch im TV? Die sinnvolle Nutzung eines Rückkanals, sowie die Einbindung sozialer Netzwerke in die laufende Sendung sind Features, wie sie bei Checkdisout #4 Wer glotzt TV? auch von tape.tv-Mitbegründerin Stephanie Renner angesprochen und gewünscht wurden. Ein Jahr später sind sie in einer kleinen Nische im deutschen Fernsehen also endlich Realität.

Monitorgrenzen lösen sich auf.

Auch wer die radikale Haltung von Volker Heise nicht teilt, der vor einem Jahr sagte: “Mich interessiert überhaupt nicht Web-TV im Internet, sondern mich interessiert Internet im Internet, genauso wie mich Fernsehen im Fernsehen interessiert und nicht Kino im Fernsehen”, da Heise damit (Monitor-)Grenzen zieht, die längst aufgelöst wurden, wird zustimmen, dass es nur eines der Ziele sein kann, das heutige Fernsehen technisch sauber auch ins Internet zu übertragen und dort für immer verfügbar, nutzbar, sortierbar etc. zu machen. Dass die Masse der Zuschauer aber selbst für diesen simplen Schritt erst einen gewissen Anlauf brauchte, zeigt die erst seit Kurzem enorm steigende Akzeptanz von Fernsehen im Internet.

Volker Heises Haltung wird nachvollziehbarer wenn man einen anderen Satz von ihm hinzunimmt:

“Du musst ja versuchen, für dein Medium, in dem du arbeitest, Formen zu finden, die diesem Medium entsprechen.”

Dazu noch ein letztes Beispiel aus dem Verlauf des letzten Jahres für die mögliche Zukunft bewegter Bilder. Nur wenige Tage nach unserem Panel kam das erste iPad in die Verkaufsregale. Seither wurde es vor allem als möglicher Ablöser für klassische Printprodukte gesehen. Das von zwei Berlinern unabhängig produzierte iPad-Magazin Astronaut Video/Magazine zeigt jedoch, dass haptische Navigation auf einem handlichen Bildschirm insbesondere auch für Videos neue erzählerische Dramaturgien und Zusammenhänge herstellen kann. In ihrer ersten Ausgabe vom Juni 2011 entwickeln die Herausgeber um zwölf zum Teil exklusiv produzierte Filme dezent interaktive Geschichten, verbunden mit Text, Foto und Musik. Da geht sicherlich noch mehr, aber auch das ist ein gelungener, erster Schritt in die richtige Richtung. Wie sich allerdings solche Independent-Video-Magazine auf Dauer finanzieren lassen, ist wohl trotz App-Store weiterhin unklar. Filme bleiben weiter aufwendiger und teurer als ein Text. Frerk Lintz wurde auf dem Panel gefragt, wieviel er denn mit FOLGE verdient. Seine kurze, wie erschreckende Antwort damals: “Nüschte.” Auch heute ist FOLGE für Frerk nicht direkt lukrativ. Seinen Lebensunterhalt verdient er über andere Projekte.

Wie geht es weiter?

Die große Web-vs-TV-Revolution ist im vergangenen Jahr demnach wieder ausgeblieben. Aber es stellt sich ohnehin die Frage ob wir statt eines radikalen Umbruchs nicht vielmehr mitten in einem schleichenden Prozess stecken dessen Ende nicht absehbar ist. Nikolai Longolius wirft dazu ein: “Ich glaube nicht, dass die nächsten Jahre von großen technischen Innovationen geprägt sein werden, sondern dass sich die Innovationen der letzten Jahre endlich durchsetzen werden.”

Wir werden sehen, wer morgen noch TV glotzt. Wie es weitergehen könnte, würden wir gerne mit Euch diskutieren.

Viel Spaß zunächst mit den Videos. Die kompletten Interviews unserer Sprecher veröffentlichen wir im Laufe der Woche. Ein Transkript von Checkdisout #4: Wer glotzt TV? findet Ihr hier.

Mirko Kubein und Matthias Weber, 14.07.2011

Checkdisout Exklusiv Interview mit Kavinsky

Foto: Matthew. J Oliver

Bevor Vincent Belorgey zum toxischen Comiczombie Kavinsky wandelte, wußte er nicht was das Leben für ihn bereithalten würde. Der erste Computer ein Geschenk seine langjährigen Freundes Mr. Oizo – macht Kavinsky zum zwischenzeitlich zweit häufigst gebloggten Musiker weltweit wenn man denn hypemaschine als Gradmesser heranzieht. Wir haben mit Kavinsky vor seinem Gig in Hamburg gesprochen.

Bis zum weltweit gehandelten Elektro-Superact führten doch einige glückliche Umstände wie eine Daft Punk-Welttournee als Support-Act sowie Kollaborationen mit A-Trak und SebastiAn in die Musik und in ein Leben als 80er-Jahre Charakter, der nicht nur aufgrund seiner Tracks Testarossa Overdrive und Wayfarer als besserer Sonny Crockett im nächsten Miami Vice-Film mitspielen sollte oder mindestens den Soundtrack produzieren sollte.

Mit Nightcall legt er eine neue EP mit gleichnamigen Titel-Stück und dem Track Pacific Coast Highway vor, die gemeinsam mit Guy-Manuel de Homem-Christo (Daft Punk) produziert wurde, von SebastiAn (ed banger) abgemischt und dem Pariser Jackson (Warp) geremixt wurde.

Viele Produzenten und Bands würden jetzt gerne von Dir wissen, wie man zum zweitmeist gebloggtesten Musiker wird.

Das bedeutet mir gar nichts, denn Blogs bedeuten mir nichts. Ich achte nicht drauf was in Blogs passiert, denn es ist völlig willkürlich. Leute sind für Dich, Leute sind gegen Dich. Es gibt kein entweder oder. Es geht sehr schnell von unten nach oben und von oben nach unten gereicht zu werden.

Ist diese Schnelllebigkeit in Sachen Musikkritik und -konsum auch ein Grund, weswegen sich viele Musiker nicht mehr mit ihrem eigentlichen Ich, sondern in Form einer Kunstfigur präsentieren?

Als ich anfing Musik zu machen, wollte ich es erstmal ausprobieren. Bis dahin hatte ich ja noch keinen einzigen Track geschrieben. Ich startete mich in den Charakter reinzuversetzen, weil es mir auch beim Fantasieren meiner musikalischen Ideen half. Es gibt für mich einfach nichts Bescheuerteres als diese Muckerfotos von Bands und Musikern zu sehen, die immer gleich in die Kameras schauen und sch in Magazinen ablichten lassen. Ich mag es nicht echte Musikerfotos von mir zu sehen, Interviews mit mir zu hören. Ich fühle mich bescheuert dabei. Darum habe ich diesen Zombie erschaffen.

Braucht man heute vielleicht einfach diese Form von Kunstkonvergenz, um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu erregen?

Daft Punk ist für schon eine Art Vorbild in dieser Sache. Sie machen Musik, lassen Dich in Images eintauchen und visualisieren das Ganze auch noch. Das ist Unterhaltung. Das ist doch spannender, als den Leuten immer nur den Ernst der Produktion mitzuteilen. Es geht doch auch um das Kino im Kopf.

Apropos Kino: Bevor Du zur Musik gekommen bist hast Du versucht, Dich als Schauspieler zu etablieren.

Na ja, ich habe einige Jobs gemacht und bin auf Castings gerannt. Ich fande nur kaum etwas entwürdigender als die Castings, weswegen ich mit der Schauspielerei aufhörte, obwohl ich immer mal wieder für meinen langjährigen Freund Mr. Oizo vor die Kamera gegangen bin. Er war es auch, der in meiner schauspielerischen Zweifelsphase seinen alten Computer schenkte. Das war mein erster richtiger Computer, vorher habe ich ausschließlich Konsolen besessen. Es begann mir zu gefallen und ich fing an ein bisschen Müll aufzunehmen.

Ist es nicht absurd aus dem Schauspiel in die Musik zu wechseln?

Ich bin ja trotz einiger Rollen eher aus dem Nichts ins Nichts gewechselt…

…na ja, dafür läuft es doch ganz gut.

Wenn man bedenkt, dass ich zufällig in der Musik gelandet bin, ist es schon erstaunlich. Aus dem Pariser Randbezirk in die Justice-WG in Paris, und immer mal eine Film- und Musikvideoproduktion von Mr. Oizo. Das waren schon die Verbindungen, die mich zum größten Glückspilz der Szene werden ließen.

Mit diesem Netzwerk war der Weg zur neuen Figur der Pariser Electroszene ja bestens vorbereitet.

Ich habe dann Marc von Record Makers bei einem Videodreh von Sebastien Tellier getroffen und später ein paar man kann es nicht mal Demos nennen gegeben. Er war dann sehr, sehr freundlich, weil er sagte: “Das ist nicht gut, aber es ist auch kein Müll.”“ Dann kam ich mit dem Testarossa-Track vorbei und er sagte: “Bingo los geht´s”“.

Und? Los gings?

Als glücklicher Bastard, der ich ich war, fragten Daft Punk SebastiAn und mich dann an. Wir sollten zu einer Besprechung kommen. Pedro sagte dann: “setzt euch hin. Könnt ihr auf unserem Auftritt in Paris spielen?”“ Ich ging aus ihrem Büro und die Luft war nicht mehr dieselbe. Nach der Parisshow, sollten wir dann im Süden Frankreichs spielen und dann fragten Sie, ob wir auch die Europatour mitmachen wollen natürlich wollten wir! Und dann ging es so weiter, es folgten Amerika und Japan. Es fühlte sich alles besoffen an.

Dabei war ich nicht mal ein Daft Punk Fan. Bei uns im Bezirk wurde Rap und Funk gehört. Daft Punk und all die anderen waren Techno und den mochten wir nicht…Erst 2001 habe ich die Musik für mich entdeckt. Das waren doch die Technodruffies. Da hatten wir kein Bock drauf ich hatte da echte Vorurteile…

Ist der 80ies-Style, der bei Deiner Musik hörbar ist, der Versuch nun beide musikalischen Welten zu verbinden?

Mein Sound ist jetzt nicht die Zukunft. Zumindest würde ich dass nie von mir behaupten. Dennoch hoffe ich, dass Leuten die Spielarten mit alten Sounds in einem frischen Umfeld gefallen. Ich fände es echt cool, wenn mein Leben, was natürlich 80er geprägt ist, nun durch den Sound die beiden Stile verbinden kann.

Genau das ist aber doch das Erstaunliche: Du schaffst es mit dem Gehör für alte Sounds und der übersetzung in das hippe Electroumfeld genau die Abgrenzung, die Kavinsky von diesem Ghettotech/Electrorave-Brei á la Crookers unterscheiden.

Ich kann das auch echt nicht hören. Ich hasse diese neuen, kaufbaren Synthiesounds. Das ist “spastic music”“. Einmal hören und dann ist es direkt wieder vergessen. Gute Musik muss man auch zu Hause hören können. Nicht sowas schreckliches wie Bloody Beetroot.

Deren Musik ist für Dich so wie wikipedia lesen, oder?

Ich kann es nur immer wieder sagen: Lest wikipedia nicht. Das ist wirklich voll mit Scheiße. Nicht nur dass sie mich sechs Jahre jünger machen, als ich wirklich bin. Am schönsten war die Geschichte als sie aus mir den Vater von Surkin, der auf Institubes veröffentlicht, machen wollten. Also: Lest das nicht!

Vielen Dank!

Testarossa Overdrive – video

Dead Cruiser – video

Kavinsky from thomas jacquet on Vimeo.

Screening: RIP! A Remix Manifesto

Checkdisout und die Hamburger Botschaft zeigen im Rahmen unserer Serie “Music is Okay?” die kanadische Dokumentation RIP! A Remix Manifesto. Mehr zum Film unter http://ripremix.com/

Nahtlos anknüpfend an unser letztes Screening der amerikanischen Doku “Copyright Criminals” geht es nun chronologisch weiter mit Mashups von u.a. Girl Tal, die naturgemäß im krassen Kontrast zu den amerikanischen Copyright Gesetzten stehen.

Wann?

Donnerstag, 27. Mai 2010 Einlass 19:00 Uhr

Wo?

Hamburger Botschaft, Sternstraße 67 Hamburg

RIP! A REMIX MANIFESTO.

Immerse yourself in the energetic, innovative and potentially illegal world of mash-up media with RiP: A remix manifesto. Let web activist Brett Gaylor and musician Greg Gillis, better known as Girl Talk, serve as your digital tour guides on a probing investigation into how culture builds upon culture in the information age.

Biomedical engineer turned live-performance sensation Girl Talk, has received immense commercial and critical success for his mind-blowing sample-based music. Utilizing technical expertise and a ferocious creative streak, Girl Talk repositions popular music to create a wild and edgy dialogue between artists from all genres and eras. But are his practices legal? Do his methods of frenetic appropriation embrace collaboration in its purest sense? Or are they infractions of creative integrity and violations of copyright?

Credits

* Written and Directed by Brett Gaylor

* Executive Producers Daniel Cross, Mila Aung-Thwin, Ravida Din (NFB), Sally Bochner (NFB)

* Produced by Mila Aung-Thwin, Kat Baulu (NFB), Germaine Ying Gee Wong (NFB)

* Cinematography & Associate Director Mark Ellam

* Editing Tony Asimakopoulos, Brett Gaylor

* Original Music Olivier Alary

* Produced by EyeSteelFilm in coproduction with the National Film Board.

Brett Gaylor is a documentary filmmaker and new media director. He is the creator of opensourcecinema.org, a video remix community which supports the production of his feature documentary RiP: A remix manifesto.

He is also the web producer of the Homeless Nation.org, a web project dedicated to bridging the digital divide allowing everyone to participate in online culture.

Brett is one of Canada’s first videobloggers and has been working with youth and media for over 10 years, and is a founding instructor of the Gulf Islands Film and Television School.

You be the judge by watching RiP: A remix manifesto.

RFID Enhanced Promo Board

Promo / RFID Bulletin Board from Jonathan O on Vimeo.

Nifty idea from students of the Rhode Island School of Design which gives a standard promo board enhanced funcitonality throuh RFID. Students were sent an RFID sticker along with an account to a Universtiy wide events network operated through Facebook. Once you find an event of interest on a promo board, a simple swipe with the RFID tag, which can be sticked upon your mobile e.g., and you will receive notifications and invitations for the event.

DJ DSL World Cup Wallchart 2010

Der Herr Superleiwand hat wieder einmal zugeschlagen und gerade rechtzeitig zu zwei bevorstehenden Fussbalfesten sein bestes gegeben: der offizielle WM 2010 Spielplan, mit der typischen DJ DSL Finesse sowie den Jubiläumsschal für den FC St. Pauli. Entsprechend der Mode im top-aktuellen Strick Look.

Ein paar Fakten zum Spieplan:

kostenpunkt liegt wie immer bei schlanken EUR 10,- zzgl. versand.

dafür gibts das machwerk in gewohnter handgezeichneter top-qualität im extra-riesenformat 78×59,4cm (in etwa DIN A1),

diesmal noch eine spur raffinierter, inklusive dem umriss des afikanischen kontinents ab den viertelfinalpaarungen.

versand erfolgt wieder in gefaltetem zustand im bedruckten kuvert, worauf nochmal alle 7 top-vorteile des spielplans minutiös aufgelistet sind.

Also, bitte: Sofort zugreifen!

DJ DSL / EAR & EYE SUPPLY.

Critical Design Symposium in Hamburg

Critical Design Symposium

Friedrich von Borries veranstaltet diesen Freitag das Symposium Critical Design an der HFBK:

Auf dem Symposium Critical Design stellen internationale Künstler und Designer Arbeiten vor, die unsere Lebensgewohnheiten radikal in Frage stellen und sich mit politischer Kritik, Subversion und utopischen Gesellschaftsentwürfen auseinandersetzen. Sie zeigen, wie ein Leben jenseits einer produkt- und konsumorientierten Gesellschaft möglich ist.

Programm

Freitag, 30. April 2010, 11.00 – 20.00 Uhr

11.00 Uhr Grußwort Martin Köttering, Präsident der HFBK Hamburg

11.15 Uhr Einführung Friedrich von Borries, HFBK Hamburg

Theoretische Perspektiven auf Design und Politik

11.30 Uhr Stephan Rammler, HBK Braunschweig

12.15 Uhr Regula Stämpfli, Intendantin I FG Ulm

Critical Design als künstlerische Praxis

14.00 Uhr Fiona Raby, Dunne & Raby, Royal College of Art London

15.00 Uhr Joep van Lieshout, AVL, Rotterdam

16.00 Uhr Daniel van der Velden, Metahaven, Rotterdam

17.00 Uhr Bjørnstjerne Christiansen, Superflex, Kopenhagen

18.00 Uhr Rianne Makkink, Studio Makkink & Bey, Rotterdam

19.00 Uhr Abschlussdiskussion

ab 20.00 Uhr Umtrunk

Ort: Hochschule für bildende Künste, Aula, Lerchenfeld 2, Hamburg

Eine Veranstaltung des Studienschwerpunkt Design der HFBK Hamburg.

HFBK: Symposium Critical Design.

Foto: Superflex, »Supergas«, The Land, 1998