Watch Later Club Hamburg #06 Playlist 25.09.2014

Moin,

thank you all for coming to last night’s 6th installment of Watch Later Club at Betahaus Hamburg.

Here is our full playlist from the evening- feel free to share, like and we’d love to welcome you next time! Stay tuned.

Follow us on twitter for future events & updates.

Simon & Matthias

Where Are They Now? from Steve Cutts on Vimeo.

What’s on your mind? from Shaun Higton on Vimeo.

Verschleif from Laurin Döpfner on Vimeo.

The Sugary Death Machine – Finger Industries from Finger Industries on Vimeo.

Strawbee presentation from Strawbees on Vimeo.

Still Swell at 85 from dean saffron on Vimeo.

1050.6(c) from Scott Carthy on Vimeo.

RUSH HOUR from Black Sheep Films on Vimeo.

Plurabelle – Our Fires from Mattis Dovier on Vimeo.

MR-808 – mechanic drum robot from Sonic Robots on Vimeo.

Birds from ZEITGUISED on Vimeo.

Adult Swim. Muscles VS Skinny from Rubber House on Vimeo.

New York Times – Modern Love from Freddy Arenas on Vimeo.

Made You Look documentary trailer from Look and Yes on Vimeo.

“Living Moments” – NYC streets frozen in time from Paul Trillo on Vimeo.

Cactus Flower from yoo.seungah on Vimeo.

Legwork from Treat Studios on Vimeo.

Jello Bouncing from Ryan Matthew Smith on Vimeo.

Ameise Vinyl Commercial from Arne Körner on Vimeo.

Chet Faker – Gold from Hiro Murai on Vimeo.

BEAT BLOX from Per Holmquist on Vimeo.

Checkdisout #7: Transformation Design- Interview mit Prof. Harald Welzer (Universität Flensburg)

Harald Welzer ist Direktor von FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit, die praktische und experimentelle Strategien der gesellschaftlichen Transformation unterstützt und fördert. Außerdem ist der Soziologe und Sozialpsychologe, Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg und lehrt auch Sozialpsychologie an der Universität St. Gallen.
Seine primären Forschungsfelder sind politische Psychologie, Erinnerung, Gruppengewalt und Transformationsforschung.

Harald-Welzer-Checkdisout-Transformation-Design

Foto: Thomas Langreder

Herr Prof. Dr. Welzer, Sie fordern, dass Design in Zukunft andere Ziele als nur “ständiges Wachstum” verfolgen soll. Unsere Zeit ist jedoch geprägt von Ausbeutung bei Amazon, Billigpreisen bei KIK&Co. und obsessivem Konsumverhalten. Wie realistisch ist ein radikaler Wandel in unserer Gesellschaft überhaupt?

Wenn ich den Wandel für unrealistisch hielte, würde ich mich mit dem Thema nicht so ausführlich auseinandersetzen. Paradigmenwechsel brauchen keine Mehrheiten, sondern es geht um eine Veränderung der eigenen Haltung, um so etwas wie eine Bewegung. Das Design ist hier nur ein Bestandteil, die Fragen des Konsums, der Ernährung, der Mobilität usw. sind in gleicher Weise davon betroffen. Ich bin zuversichtlich, dass man in den nächsten Jahren eine soziale Bewegung erwarten kann. Und diese wird einen Lebensstilwandel, einen kulturellen Wandel, andere Wertepräferenzen befördern. Inwieweit und wie genau sich die Entwicklung dann gesamtgesellschaftlich umsetzt, steht in den Sternen. Aber ich glaube, dass man eine Umcodierung schon in ein paar Jahren sehen können wird. Man bemerkt sie zum Teil ja jetzt schon.

Diese visionären Ideen scheinen nicht von Anfang an als Massenphänomen konzipiert zu sein. Verläuft dieser gesellschaftliche Wandel also von oben nach unten, top-down?

Das wäre ein Missverständnis. Die Entwicklung verläuft nicht von oben nach unten. Die Eliten sind ja genauso doof wie alle anderen auch, wie man an ihrem Konsumverhalten und ihren ästhetischen Präferenzen ablesen kann.
Die Bewegung verläuft viel mehr umgekehrt: die Lebensstilveränderungen passieren Bottom-Up, von unten nach oben. Es vollzieht sich zum Beispiel gerade ein Wechsel vom ‘Besitzen’ zum ‘Benutzen’; ‘Sharing’ wird zu einer, wenn bislang auch noch in kleinen Gruppen, relevanten Bewegung. Das Nachdenken über andere Formen des Wohnens ist aktuell geworden, das Genossenschaftsprinzip erlebt gerade eine Renaissance. Diese Beispiele kommen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, verlaufen aber insgesamt doch eher Bottom-Up. Wenn man sich die letzten 20 Jahre anschaut, liegt doch in vielerlei Hinsicht, sowohl politisch, als auch ästhetisch, als auch auch im Hinblick auf die Deutung sozialer Prozesse, ein Elitenversagen vor. Viel weniger ein Versagen der alltäglichen Lebenspraxis als das Elitenversagen. Ich sehe es also genau umgekehrt.

Wie politisch kann – wie politisch muss Design sein?

Das Design muss genauso politisch sein, wie auch die Ausübung anderer Tätigkeiten wieder politisch werden muss. Man muss verstehen, dass das, was man tut, nicht ohne Einfluss ist. Und zwar in beiden Richtungen: Wenn ich Mainstream produziere, bewirke ich die Aufrechterhaltung des Mainstreams und des ‘business as usual’. Wenn ich etwas Gegenläufiges mache, hat mein Handeln den entsprechenden Einfluss: es erzeugt vielleicht andere Pfadabhängigkeiten und setzt neue Modelle. Wir haben uns in den vergangenen zwei Jahrzehnten sehr stark angewöhnt, die politische Dimension unseres Handelns zu ignorieren. Wir nehmen auch nicht mehr zur Kenntnis, dass Menschen in freien demokratischen Gesellschaften ihren Handlungsspielraum gestalten können und vor allem: dass das nicht gleichgültig ist. Man kann in seinem jeweils eigenen Bereich Verantwortung dafür übernehmen, wie die Welt aussehen soll. Diese Verantwortung ist das Politische. Da ist eine Designerin genauso gefordert und hat genau die gleichen Möglichkeiten wie zum Beispiel ein Lehrer, ein Architekt oder jemand, der Taxi fährt.

Früher war dann die Rede vom “Otto Normal Verbraucher”. Wie würden Sie die Verbraucher von heute beschreiben? Sind die nicht schon eher mit Flugzeug-Treibstoff unterwegs?

Zeichnen wir hier ein schematisches Bild, dann erkennen wir den Hyperkonsumenten. Dieser versteht nicht, dass nicht mehr länger er die Produkte konsumiert, sondern dass er selbst das Produkt einer Bedürfniserzeugungsindustrie geworden ist. (Die Leute glauben ja tatsächlich, dass sie nach dem iPhone 5 das iPhone 6 haben müssten.) Das ist vor allem dann eklatant, wenn man folgende Entwicklung bedenkt: die Produktzyklen werde immer kürzer, die Menge an Produkten immer größer und diversifizierter.

Menschen konsumieren letztendlich garnicht mehr, sie kaufen nur noch ein Produkt nach dem anderen. Die Phase der tatsächlichen Benutzung des Produktes wird dabei immer kürzer. Hingegen wird der Aufwand, eine Kaufentscheidung zu treffen, immer größer; die Leute beschäftigen sich ausführlich mit Preisvergleichen und Testberichten. Dieser Hyperkonsum hat sich völlig verselbstständigt: wenn zum Beispiel 30-50% der Nahrungsmittel weggeworfen werden, bedeutet das ja, dass sie gar nicht mehr konsumiert werden. Die Menschen heute sind keine ‘Konsumenten’, sondern ‘Käufer’. Sie kaufen Nahrungsmittel, lagern die Produkte im Ökokühlschrank A++ zwischen und schmeißen sie dann weg. Der tatsächliche Konsum des Produktes fällt weg. An diesem Punkt genügt die Warenwelt sich gewissermaßen selbst: Die Menschen sind nur noch dazu da, für Umsatz zu sorgen und die Produkte in Bewegung zu halten.
 
Die meisten Menschen merken das aber nicht. Die Bedürfniserzeugungsindustrie arbeitet also absolut perfekt und lässt die Menschen gar nicht wahrnehmen, wie sehr sie sich durch ihre Konsumgüter belasten. Hier ist dann Folgendes passiert: die Produktwelt und die Bedürfniserzeugung haben sich so sehr verselbstständigt, dass es gegen die Interessen der Käufer funktioniert, die aber trotzdem weiter kaufen. Das finde ich faszinierend, es ist meines Erachtens neu in der Entwicklung des Kapitalismus: Das Prinzip, dass Menschen sich ihre Welt voll stellen mit Produkten, von denen sie nie gewusst haben, dass sie sie haben wollten. Trotzdem kaufen die Leute und lassen sich erdrücken von all den Dingen. Das ist eine Praxis des Dienens. Ohne jeden Zwang. Freiwillig.

Wie sähe denn ein ideeller, zukünftiger Verbraucher aus?

Der ist kein ‘Verbraucher’. Das ist ja schon ein fürchterliches Wort. Ich bin doch keine Station in einer Wertschöpfungkette, insofern würde ich mich auch nicht auf die Persona eines „Verbrauchers“ reduzieren lassen. Es gibt da den Begriff des ‘Prosumenten’: Menschen, die nicht mehr nur konsumieren, sondern auch produzieren. Die an der Stelle, wo sie etwas können, dieses Können auch einsetzen und sich nicht bei jeder Gelegenheit fremdversorgen lassen. Das ist ein Typus, der auch unter emanzipativen Gesichtspunkten interessant ist. Der Verbraucher ist ja keine emanzipative Kategorie.

‘Design’ bedeutet in der Wahrnehmung von Laien oft die schicke Aufmachung von Produkten, bestes Beispiel ist da Apple. In möglichst vielen Menschen soll das Begehren nach diesen Produkten geweckt werden, so können viele, teure Produkte verkauft werden. Was ist das Ziel von Transformation Design?

Ich glaube nicht, dass man ein allgemeingültiges Ziel formulieren kann. Interessant finde ich die paradoxe Übung, Reduktion zu designen. Das Produkt spielt dann garnicht mehr so eine große Rolle. Es geht viel umfassender um das Design einer kulturellen Praxis: Ich lasse Dinge weg, ich mache mein Leben leichter. Das ist die designerische Aufgabe.

Der andere Aspekt, den ich wichtig finde, ist, dass die Geschichte des Produkts wieder sichtbar sein muss. Modernes Produktdesign macht die Geschichte des Produktes unsichtbar. Und zwar ganz absichtlich: Der chinesische Wanderarbeiter soll bei der Nutzung des iPads nicht vorkommen, sondern es soll das reine, geschichtslose, herkunftslose, rohstofflose Produkt erscheinen. Um nun aber den Stoffwechsel, der dem Ganzen zugrunde liegt, wieder bewusstseinsfähig zu machen, muss man sich auch über eine andere Form von Gestaltung Gedanken machen. Das finde ich eine spannende Aufgabe: historisierendes Design. Im ganz zeitgenössischen Sinne, kein altertümlicher Kitsch. Es geht um die Historizität dessen, was man in der Hand hält: wie ist das entstanden? Dann würde man sich vielleicht auch nicht ständig für neue Produkte entscheiden.

Welche Projekte halten Sie für zukunftsweisend im Bereich Transformation Design und warum? Was können wir von ihnen lernen?

Ich sehe viele gute Ansätze, wie zum Beispiel den deutschen Beitrag zur letzten Architektur-Biennale, der geht genau in so eine Richtung. Ich halte die wieder aufkommenden Reperaturbetriebe und den Designpreis der Herforder Recycling-Börse für interessante Strategien. Nicht unbedingt prominente Geschichten, aber ein Paradigmenwechsel, aus dem tolle Sachen entstehen können, die genau in die reduktive Richtung und hin zu Historizität gehen.

Im Bereich der Bekleidung entwickeln sich Verfahren, die überhaupt keine neuen, ungebrauchten Materialien mehr verwenden, sondern nur gebrauchte Kleidung und Stoffe. ‘Bis es mir vom Leibe fällt’ ist so ein interessantes Projekt in Berlin, und Schmidt Takahashi ist im Bereich Modedesign spannend. Solche Dinge finde ich gut. Dieses ‘Upcycling’ von gebrauchten Produkten gibt es schon jetzt relativ viel, und ich denke, das wird etwas sein, das sich schnell verbreitet, auch in andere Bereiche hinein, ins Möbeldesign, in die Architektur. Da wird man einiges sehen.

Vielen Dank!

Checkdisout #7: Transformation Design- Interview mit Prof. Julia Lohmann (HFBK)

Julia Lohmann studierte Grafikdesign am Surrey Institute of Art and Design des University College in Epson und absolvierte 2004 ein Masterstudium in Produktdesign am Royal College of Art in London. Sie ist mit ihren Arbeiten in privaten und öffentlichen Sammlungen wie etwa des MoMA in New York vertreten; für ihre innovativen Ansätze im Design ist sie bereits mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem auf der Design Miami Basel 2008 zum Designer of the Future. Im April 2011 wurde sie auf der Rolling Stone Designer List unter die Top 20 derjenigen Designer gewählt, die das Design des kommenden Jahrzehnts beeinflussen werden.

Julia portrait Petr Krejci

Foto: © Petr Krejci/V&A

Du bist ja nicht einfach zu fassen: Künstlerin, Designerin, Professorin, iF-Design-Award-Preisträgerin in einem Spannungsfeld zwischen dem schicken, glossy Produkt- und Industriedesign und deiner Arbeit mit tierischen Materialien, Seetang. Wie und wo siehst du dich selbst?

Ich bin bewusst Designerin geblieben. Ich denke, dass wir Objekten so eine Wichtigkeit zusprechen, wir verlassen uns in so vielen Situationen auf sie, dass sie fast wie ein Ersatz für menschliche Beziehungen eingesetzt werden. Wenn Objekte eine solche Hauptrolle in unserem Leben zugesprochen bekommen, dann müssen wir auch mehr von ihnen erwarten, als dass sie nur unser Hinterteil tragen. Die Funktionalität von Design wird sehr oft an körperbezogenen Funktionen gemessen: ich muss darauf sitzen, daraus trinken können. Wir sitzen doch schon bequem! Öffnen wir den Begriff von Funktion, dahin, dass es auch eine Funktion ist es dem Nutzer zu ermöglichen Dinge zu denken, die er vorher nicht gedacht hat. Diese ‘Funktion’ erfüllt sonst oft die ‘unfunktionale’ Kunst. Am Beispiel meiner Kuhbank: Es ist möglich auf dem Objekt zu sitzen, denn es ist wichtig, dass es eine direkte Assoziation zum traditionellen Ledersofa herstellt aber die Hauptfunktion der Kuhbank ist, dass sie uns zum Denken anregt. So dass wir nach hause gehen und unsere eigenen Schuhe anschauen, unser eigenes Sofa anschauen und denken: Oh, das ist auch eine Kuh. Und damit den Wert der Objekte neu erkennen. Das Objekt ist Design weil es unseren Umgang mit Rohstoffen und Objekten reflektiert und weil es uns zum denken anregt. Wir sollten heutzutage von Design erwarten dass es unser Leben nicht nur bequemer macht, sondern auch Dinge bewusst unbequemer macht und Fragen stellt.

Du pendelst mit Deiner Arbeit zwischen Hamburg und London, und in London entwickelt sich gerade eine kleine aber feine postindustrielle Bewegung. Produkte wie Little Printer von Berg, ein kleiner vernetzen Drucker für Kurznachrichten oder die Good Night Lamp, die gerade über Kickstarter finanziert wird. Bei beiden Projekten geht es darum, Produkte zu entwickeln, was sich kleine Unternehmen ja kaum leisten können, und dann aber auch den Großteil der Produktion zurück nach Europa zu holen. Ist das nur eine kleine Nischenbewegung, die da in England vor sich hin werkelt, oder ist das wirklich etwas, was in Zukunft ein größeres Thema werden könnte?

Ich glaube, ‘Post Industriell’ wird ein größeres Thema werden, aus vielerlei Gründen: Der Economist hat den 3-D-Drucker auf seinem Cover als die neue ‘industrial revolution’ bezeichnet, weil sich durch ihn etablierte Produktionsketten umgehen lassen. Es entstehen Alternativen zu herkömmlichen Herstellungssystemen mit ihrer strengen Trennung zwischen dem Designer, Hersteller, Verkäufer und Nutzer. Diese Möglichkeiten, die aus der Open Source Softwareentwicklung kommen, führen zu einer neuen Denkweise: Anstelle im stillen Kämmerlein zu sitzen, geheim etwas zu entwickeln und tausende von Euro für Tooling auszugeben, entwicklt man gemeinsam mit anderen Leuten und teilt das Wissen. Diese Denkweise wird noch mehr verändern als der 3-D-Drucker selbst und lässt sich auf andere Herstellungsprozesse anwenden.

Ich mache das zum Beispiel jetzt mit Seetang. Ich will systematisch die Grundzüge einer neuen Craft entwicklen und Materialien und Objekte aus Seetang herstellen. Geplant ist eine Website: die Leute, die mitmachen wollen, unterzeichnen einen Code Of Conduct, in dem sie bestätigen: ich nutze den Seetang nachhaltig und kombiniere das Wissen mit lokalen Handwerkstechniken und ich stelle mein neu gefundenes Wissen wiederum auf der Website zur Verfügung.

Also so ein Open-Source-Material-Prozess? Wer zustimmt, darf mitmachen, kriegt alle Informationen?

Ja genau, sie erhalten die Informationen von der Website und erweitern diese wiederum durch Ihre neuen Informationen. Dann hat man ein Netzwerk aus lokalen Handwerkern, zum Beispiel jemanden aus einem Dorf, wo es ganz viel Seetang gibt, oder eine NGO, die Seetang als Ressource nutzten will und Workshops veranstaltet. Und für alle gibt es dieses Netzwerk, aus ganz vielen lokalen Produktionsstätten, die aber alle nicht nur produzieren, sondern ihre eigenen Techniken, ihre eigenen Materialkombinationen entwickeln.

Das klingt sehr visionär, eine super Idee, die kann funktionieren. Und glaubst Du, wird es funktionieren? Es ist ja nicht leicht, so ein Netzwerk aufzubauen, die Leute zu begeistern mitzumachen, sie überhaupt erst zu finden: den Strand, wo viel ungenutzter Seetang liegt, die NGO. Ist das Science-, bzw. Product Design-Fiction oder wie sehr glaubst Du daran, dass es wirklich geht?

Ich nenne das Projekt ‘Department Of Seaweed’, weil das Museum seine Kollektionen zum Teil nach Materialien getrennt hat und ich hypothetisch Seetang mit Keramik, mit Silverware und Glass gleichstellen will. Das Department of Seaweed ermöglicht es mir in einem klar definierten Rahmen die Frage zu stellen: ‘what if …?’; was wäre, wenn wir eine Welt hätten, in der Seetang genauso wichtig ist wie die anderen Materialien?. Es ist Fiktion, aber es realisiert sich als Fiktion selbst, es tut so, als ob es echt wäre, und wird dadurch zu einem Testfeld.

Was glaubst Du was die “Otto-Normalverbraucher” heute und in Zukunft von Design, von Produktdesign, erwarten?

Otto Normalverbraucher ist schon lange kein normal Verbraucher mehr, er verbraucht zu viel.

Da gibt es eine große Diskrepanz dazwischen, wie es in Deutschland und wie es im Rest von Europa ist. Deutschland ist echt so eine Industriedesign-Insel, zum Teil verständlicherweise, weil wir immer noch die Industrie haben, für die wir Industriedesigner brauchen. Im Gegensatz zu zum Beispiel England, wo viel von dieser Industrie nicht mehr vor Ort ist. Zum anderen Teil aber auch unverständlich, weil die zwei Arten von Design ja wunderbar nebeneinander her gehen könnten, im Gegenteil sogar die Überschneidung viel stärker ist als man denkt. Wenn man zum Beispiel ein konzeptionelles Problem hat, oder wenn man ein Design-Objekt macht, das die Funktion hat, Leute zum Denken anzuregen, dann muss man es genauso für diese Funktion designen, muss manchmal die gleichen Kniffe anwenden wie wenn man für eine Körperteil, für eine körperbezogene Funktion designt.

Ich habe das Gefühl, in Europa ist diese Diskussion, die in Deutschland passiert (‘Ist das noch Design oder nicht?’), schon seit zehn Jahren durch. Manchmal denke ich, das liegt daran, dass die deutsche Sprache ihren eigenen Kreis, ihren eigenen Kontext schafft. Es wird auf Deutsch viel diskutiert, ist dann aber auch sehr deutschlandzentriert. Wo hingegen in anderen Ländern wie in England aber auch Holland oder Skandinavien auf Englisch diskutiert wird. So ist es viel einfacher, grenzübergreifend zu diskutieren. Deswegen habe ich manchmal das Gefühl, dass Deutschland noch so eine industrielle Insel ist.

Wenn man konzeptionelles Design macht oder spekulatives Design, heißt das ja nicht, dass man die Form vernachlässigen kann. Es bedeutet ja trotzdem, dass man genauso effektiv Formen machen kann, genauso effektiv designen muss, genauso eine gute Methode entwickeln muss, um seine Frage bestmöglich zu beantworten. Die Frage ist dabei eben nur eine andere.

 

Vielen Dank!

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Dispatches from Inside the Golden Cage.

Here I am, November 25 somewhere in the outskirts of Hamburg. Having returned from an inspiration and food for thought-packed week in London there is finally some time to digest a few of the themes that have been on my mind lately.

 

In recent years, there has been (a still ongoing) discussion all around the subjects of big data, privacy and publicness and the ever-growing power and impact of American web services.

 

Being a German myself, it is obviously hard to avoid our country’s sceptical– and sometimes even stroppy — attitude towards all these bold new things digital. Well, to be honest, today’s novel rendition of the Pepsi vs. Coke battle has pretty much turned into a battle of two cultures- openness and tech-love vs. concern and techno-skepticism. No other odd couple personates this 21st century struggle of cultures as adecquate as the ingeniously sauna-savvy Jeff Jarvis and hot-headed (but nevertheless observing, smart and precise) Evgeny Morozov.

 

A few weeks back, the brilliant Miriam Meckel contributed an elaborate piece “The Limits of Freedom on the Internet” in Süddeutsche Zeitung’s Saturday edition, right on the cover of its week-end spread.

 

Mrs. Meckel’s open statement:

“The web provides pretty much everything for anybody- at any time and anywhere. First and foremost there is transparency, boundlessness and freedom. At least– that is what you might think. Until that very point when Google, Apple and Facebook show us where they are setting the Internet’s limits.” –Miriam Meckel *

Mrs. Meckel literally spoke from my heart on this matter and I am very glad that this piece was published over on Süddeutsche. I highly recommend you to read the article, if you are English speaking– give translate.google.com a shot.

 

As for this, our very first Haruki Observatory Mini Series, our plan is to observe, understand and do a little bit around our digital Golden cages. Eventually, at some stage, also with the help of some old and new friends.
Inside the Golden Cage: a short history of lock-in effects.
Instatitis: A tale of a 21st century disease in the self-making.
My public Personal Sickness: blogging and the rise of public health data.
Data Liberation: How you, I and everyone I know can get back control over their data.

 

At least, this is the initial plan. Please do get in touch, if you want to contribute or bounce some ideas.

 

* Original Quote in German from SZ 03.11.2012/ sueddeutsche.de: “Im Netz gibt es alles für jeden – immer und überall. Und vor allem gibt es Transparenz, Grenzenlosigkeit und Freiheit. So denkt man sich das. Bis uns Google, Apple und Facebook die Grenzen aufzeigen.”

Sharing Mobility and Shared Responsibility.

Hamburgers love their Stadtrad. What has begun as a spin-off joint-venture between Deutsche Bahn and the City of Hamburg in July 2009, has meanwhile turned into a vital part of urban modal transport with more than 1,000,000 rides per year.

 

A quick excursion about German innovation history: while most people celebrate the fame and success of bike sharing services such as Velib or the infamous Boris Bikes in London, credit is rarely given to Christian Hogl and Josef Grundel who invented a telephone-based booking system for public bikes back in 1998. The service was later acquired under rather strange circumstances by Deutsche Bahn and introduced as a German premiere in the city of Munich in 2000.

“Credit is rarely given to Christian Hogl and Josef Grundel who invented a telephone-based booking system for public bikes back in 1998.”

Back to Hamburg and my morning stroll to work. Probably as in any bike-sharing savvy city, you get a pretty good picture on how people use those bikes through simple observation: mainly for commutes to work, the next train station or for the occasional week-end bike tour with friends on a Hamburg visit. So what happens each and every morning is a heavy demand on the Stadtrad bikes in probably any station within a residential area.

 

As probably most people are employed in the city centre, you get to see empty Stadtrad stations in the living areas, such as Karoviertel in the early morning while the more central stations are stacked with bikes.

Same with late-night Fridays or Saturdays, when party people move in swarms to nightlife hot spots.

 

What Stadtrad does to match supply and demand for the bikes is to re-stock them using a fleet of minivans. It is obviously kind of effective to transport multiple bikes in a van, but still– the vans are run on a combustion diesel engine. Bad.

Why don’t we develop a re-stocking scheme that sources the community of Stadtrad Hamburg members?

Here is how Haruki would approach the issue:

 

  • Identify specific audiences within the Stadtrad community who might be available to re-stock the bikes in rush-hour times (e.g. students).
  • Define a sufficient incentive for re-stockers that makes it desirable to be part of any re-stocking team (e.g. cash, free minutes, vouchers, community leadership…)
  • That could be it.

What are your thoughts?

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PIE – Ein Stück vom Innovationskuchen für Wieden+Kennedy.

 

How did PIE happen?

PIE originally began as a co-working space with Wieden+Kennedy. Based in their headquarter in Portland, this agency works for global brands like Nike, Coca-Cola and Heineken. But over time, they felt there were some interesting things happening in the tech scene around them – and they wanted to feel more engaged with that. So we started the co-working space of PIE in August 2009 in conjunction with Wieden+Kennedy. What we tried to do was to bring interesting startups together, give them space to work, and do some peer mentoring. We helped one another – and this organic atmosphere made very interesting young companies come through the space. But one day we stepped back and said “Why are we just letting this happen, why don’t we make more out of it?” At the same time, Wieden+Kennedy was getting a lot of requests from their clients for more exposure into this startup culture. So W+K said, let’s pull in some of our clients and set up an accelerator program.

 

What we tried to do was to bring interesting startups together, give them space to work, and do some peer mentoring.

How does PIE work?

At PIE, startups get a three to four month intensive mentorship. During that time, participating teams are exposed to mentors from business, technology, venture capital, and from cooperating brands such as Coca Cola or Google. Each week, we introduce two to three mentors to discuss everything from business related things, to product development, engineering, or even legal or accounting stuff. We invite co-founders and other CEOs to describe what their experiences were, what mistakes they made, and how they juggled their priorities. PIE is a very dynamic environment – a big wide open space –  where even the startups are very collaborative: Everybody is looking over one another’s shoulder, so it’s a lot of mentoring from different angles. And at the end of the accelerator program, there is kind of a celebration – a demo day to show all products and results of the teams.

 

Why did PIE happen with Wieden+Kennedy?

Wieden+Kennedy are very startup like: They embrace risk and failure. Mistakes are considered a learning experience – so they are much along the startup side. Don’t waste a lot of time building stuff: Just get it out there, figure out if the people are going to like it, and then move on. That’s how W+K realize their ad campaigns, how they interact with clients and how they manage their organization. So there is a really good cultural fit for them – it just happens to be with technology instead of graphics or videos.

 

What can an agency such as Wieden+Kennedy learn from startups?

The way humans communicate with each other is changing drastically – and technology is facilitating a lot of that. So in order to create more effective communication campaigns, W+K wants to be exposed to different technological innovations. Despite of this, PIE has altered W+K’s conversation with clients: The program lets them step out of the traditional agency client relationship. Both sides become peers collaborating on very interesting projects.

 

Why are big corporations interested to participate in PIE?

Big corporations are seeing very small startups having a huge impact on the world. Just think about Instagram, which has gone from 0 to 25.000.000 users in a very short period of time. So the big corporations are very conscious of the fact that they are slowly moving, bureaucratic organizations. And they are looking to the startup culture to figure out how to break through this bureaucracy, how to realize things more quickly, and how to empower small teams to fix problems more effectively.

 

 The big corporations are very conscious of the fact that they are slowly moving, bureaucratic organizations.

Do participating corporations invest in PIE startups?

On the one hand, we have corporations with a massive global scale that hunger for innovation. On the other hand, you have startups who are really innovative and very hungry for scale. It seems like there should be a way to get them work together – but this is not just putting them into the same room. So in the near future, I could definitely see some investments happen. But we call PIE an experiment for a reason, and it takes some time to find out how we can bring both sides together.

 

What was your biggest insight during PIE?

No matter how predisposed large corporations are to embrace this new culture, they are still big corporations. We discovered that it is easier to start a million dollar company than to sell something to a corporation. Everything there just takes a long time – and that has been a really interesting learning.

 

How do you select startups?

Our selection process largely has to do with the people and their team. If the idea does not work, we need confidence that these teams are able to come up with a new project. Mostly we invite web, mobile, or open source players because the only overhead they are carrying is the people they need to pay. So we are more focused on developers and small groups of three to four people.

 

Have you considered expanding PIE beyond tech industry?

The challenge is always to make sure you have the right mentors in place. Most of us come from the tech side, so we had kind of a network of people who could mentor for PIE – which made it an easy step. But I could definitely see a broader scope of PIE, especially with the help of W+K: They have offices in London, Amsterdam and Tokyo where they could try a similar model in another sector and see how it works within their culture.

 

How will PIE evolve within the near future?

People – even those who say they like it open – really want structure. They need an organized environment, so we are working on that. We also want to improve the interaction with W+K: In the beginning of PIE, were concerned that they might get lost in the chaos of a startup development. But now we are going to try what happens when they are there from day one. I always called it “upstairs”, because W+K is situated above us. But in future, we want to make sure that the whole building is engaged with what’s going on at PIE.

People – even those who say they like it open – really want structure.

Do you see co-working and peer mentoring as the future of business accelerating?

No, I think it’s just a cultural, very personal preference. Probably the most successful accelerator program in the U.S. is called YCombinator. And they are dead set against offering space. For them, founding is much more the traditional garage thing: Those types of startups are motivated to do their own thing in their own space. They are going to make progress much faster than people who share their space.  But I think the garage is only right for some people. Others get much more benefit out of being in the same room with thirty other people who are just as crazy as you are, who are going through the same trails and tribulation as you are. So I think we will see any number of flavors of how to accelerate companies. And we’ll see amazing startups that don’t even need an accelerator at all.

 

What can you recommend to agencies trying to establish something such as PIE?

The most important part for an agency is to be authentic. W+K did a really good job of that in the Portland tech scene before they decided to do this accelerator program. So it was genuine and people were like “Oh that makes sense!”  Second, you need to find a trustworthy partner in whatever industry want to approach. Otherwise you are just perceived as an advertising agency. Third, take your time and don’t rush into. Of course, be experimental with it, but bear in mind there are lot of different people affected. And sometimes you just have to stop and figure out if you are doing the right things for all those people involved.

 

Do you share your ideas and experiences with other accelerators?

PIE is about making mistakes, learning from them, and teaching the next class of PIE startup teams how to avoid these mistakes. The same way I feel about accelerators: We should all be making new mistakes, experimenting – but sharing our experiences with one another. At PIE we haven’t quite got that level of maturity where we can share knowledge and help one another as much as we should. Nevertheless, I would like to see more of that network effect during the next year.

 

Danke, Rick!

Image Credit: Kveton on Flickr.

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Ich hack TV- Der TV-Hack Day in Berlin.

Hack Days oder Hackathons gibt es seit den späten Neunziger Jahren. Die wohl bekannteste Form des Hackdays ist der Music Hack Day, der seit 2009 weltweit mehr als 20 mal veranstaltet wurde. Das Prinzip ist relativ einfach- eine interdisziplinäre Gruppe aus Programmierern, Designern und Konzeptern, kommt für eine begrenzte Zeit (meist 48 Stunden) an einem Ort zusammen. Dort werden anhand eines Themas oder technischer Rahmenbedingungen kleine oder je nach Teamstärke sogar größere Projekte umgesetzt.

Am 20. und 21. Oktober 2012 veranstalteten Sebastian Flock von Saint Elmo’s, das Precious Design Studio aus Hamburg und Bertram Gugel also den ersten TV Hack Day der Berliner Neuzeit. (Übrigens schön, dass Ihr Euch direkt die Top-Domain sichern konntet.) Als Rohmaterial durfte sich die Berliner TV Hack Day Gemeinde an den brandneuen APIs von arte und Google TV bedienen.

At TV Hackday we’ll hack the future of TV. Developers, Designers, Concepter and TV Stations alike will work together to do remixes, Apps, Hacks or the next TV Set. Anything goes as long as it is a TV related project that can be done till Sunday afternoon. – TV Hack Day

Das Ergebnis der zwei Tage Programmierarbeit kann sich sehen lassen. Entstanden sind neun TV-Hacks: von Timed Comments über eine Quizz-App, Crew Patterns bis hin zu einem ebenso simplen wie effektiven TV Guide, der auf Fragen antwortet. In der Demo-Session am Sonntag nachmittag präsentierte jedes Team Idee, Ansatz und Umsetzung ihres jeweiligen Projekts. Dabei kamen spannende Themen auf wie die Visualisierung von Ähnlichkeiten in Crew und Besetzung von Filmen oder ein Tool, mit dessen Hilfe Fernsehzuschauer eigene Snippets, d.h. kurze Ausschnitte von Fernsehsendungen selbst mit einem online zusammenschneiden können.

Es lohnt sich auf jeden Fall, in Ruhe die ganze Liste der Hacks durchzuschauen, die Veranstaltung wurde von Bertram Gugel dokumentiert und alles wesentliche sowie die Kontaktdaten zu den Teilnehmern finden sich auf der TV Hack Day Website.

Wir haben auf jeden Fall eins gelernt: um an einem Hack Day teilzunehmen muss man kein Programmiere sein. Das nächste mal sind wir also auf jeden Fall mittendrin statt nur dabei.

Stamen kartografiert die unsichtbaren Buslinien ins Silicon Valley.

Stamen sitzt mitten in San Francisco und hat sich mit dem südlich liegenden Silicon Valley auf eine ganz eigene Art auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt des Projekts The City from the Valley, 2012 | Stamen Design steht der Verkehrsfluss privater, von Unternehmen wie Google oder Apple betriebenen, Buslinien. Das besondere am Silicon Valley ist nicht nur die Anhäufung innovativer Unternehmen, sondern auch die Umkehrung der traditionellen Raumverhältnisse zwischen Suburb/Peripherie und Innenstadt. Während die Bewohner in Ballungszentren normalerweise vom Rand ins Stadtzentrum pendeln, verhält sich San Francisco genau umgekehrt:

“For Silicon Valley, however, the situation is reversed: many of the largest technology companies are based in suburbs, but look to recruit younger knowledge workers who are more likely to dwell in the city.”
– Stamen

Stamen hat mit Hilfe seiner Eigengewächse Field Papers, Dotspotting und letztlich dem Einsatz von Fahrradkurieren, ein unsichtbares alternatives Transportnetzwerk inmitten der Stadt San Francisco sichtbar gemacht. Denn: die Buslinien der großen Silicon Valley Firmen haben natürlich keine offiziellen Bushaltestellen im Stadtraum- sie existieren viel mehr als virtuelle Orte in Location-Diensten wie Foursquare. Doch auch mit Hilfe klassischer Beobachtung und Verkehrszählung konnte Stamen wertvolle Erkenntnisse für die Kartographie der Silicon Valley Buslinien sammeln:

“We decided to try some dedicated observation. We sat at 18th & Dolores one morning, and counted shuttles. We counted a new shuttle every five minutes or so; several different companies, high frequency.”
– Stamen

Einer groben Schätzung zu Folge transportieren die Corporate Shuttles ungefähr 35% der Caltrain Passagiere an einem Tag. Allein Google, so Stamen, führt rund 150 Fahrten pro Tag durch die Stadt zum Silicon Valley durch.

The City from the Valley wird im Rahmen der ZERO1’s Biennial exhibition ausgestellt.