Checkdisout: Research, Concepts, Lectures, Inspiration

Checkdisout #4 Recap:
Interview mit Stephanie Renner (tape.tv)

Am 18. Mai 2010 hat Checkdisout in Zusammenarbeit mit Made for Full Screen neue Perspektiven, Formate und Macher von Bewegtbildinhalten im Kunstverein Hamburg vorgestellt. Seitdem ist mehr als ein Jahr vergangen. Wir haben ein Jahr danach mit Stephanie Renner von tape.tv gesprochen und wollten wissen: was hat sich im letzten Jahr in der Branche und bei ihr getan?

Was hat sich bei Dir seit der Veranstaltung im letzten Jahr in beruflicher Sicht getan? Neue Projekte, neue tolle Sachen von anderen?
tape.tv ist im vergangenen Jahr - was die Unique User angeht - um 1300 % auf über drei Millionen Unique User (AGOF, März 2011) gewachsen. Insgesamt haben wir mittlerweile 45.000 Videos in unserem Repertoire. Außerdem haben wir uns neben Musikvideos einen weiteren wichtigen Programmbereiche erarbeitet: Eigenformate. Zum Beispiel Auf den Dächern. Großartige Künstler spielen hier auf den Dächern - den letzten urbanen Ruhepolen - exklusive Akustik-Sets. Wir bringen dem User damit einprägsame Live-Momente nach Hause. Der Künstler wird damit anfassbar. Bisher hatten wir 80 Dachkonzerte. Im August findet unser erstes „auf den dächern“ in Wien statt. Danach kommen Dachkonzerte in ganz Europa.

„on tape“, die erste rückkanalfähige Live-Musiksendunge im Netz ist ein zweites gutes Beispiel. Das Live-Momentum ermöglicht uns, mit zahlreichen interaktiven Features wie u.a. eine Facebook-Wall und User Call-In via Webcam den Zuschauer zum aktiven Part der Sendung zu machen. Egal, wo die Fans der Band wohnen - ohne Schlange an der Tür, keine ausverkauften Hallen - „on tape“ bringt den Live-Moment in bester Sound- und Bildqualität nach Hause. Wir bieten dem Künstler eine Bühne, um mit Livemusik, mit Performance, mit Gesprächen im Rahmen seiner Fans sein künstlerisches Schaffen zu zeigen und zu erklären. „on tape“ ist nicht witzig, sondern unterhaltend. In Kooperation mit dem ZDFkultur werden so 36 Sendungen à jeweils 45 Minuten entstehen.

Auch bei unserem Inhouse-Vermarkter tape.media gibt es viele positive Entwicklungen: mittlerweile arbeiten wir mit über 80 Werbekunden zusammen und schaffen ständig neue spannende Werbeformate. Für unsere Kunden lösen wir damit zwei Probleme: tape.media entwickelt Werbeformate, die den User nicht nerven, sondern für den neuen Medienkonsum des Netzes entwickelt wurden. Damit erschließen wir das Netz für die großen TV-Etats und machen Advertising zu einer starken Revenue-Säule für das Unternehmen.

Auf dem Panel hast Du gesagt: "Entertainment, das ist meine feste Überzeugung, hat auch immer was mit Faulheit zu tun." Geht dieses Konzept bei tape.tv weiterhin auf?
Auf jeden Fall. Wir bieten nach wie vor die richtige Unterhaltung für jede Lebenslage und jeden Nutzertyp. Aber tape.tv geht einen Schritt weiter als alle bisherige on demand-Portale im Web. Wir kombinieren drei Dinge: schlaue Technologie, den digitalen Footprint der User im Internet und die redaktionelle Intelligenz. So verbinden wir die Einfachheit des Fernsehens mit allen Möglichkeiten, die uns das Netz bietet. Wir erreichen damit ein klares und simples Ziel: Deine Musik findet dich. Ich bin happy und kann mich faul zurücklehnen.

Egal ob Musikhörer, -kenner oder -experte: Ob redaktionelles Vollprogramm oder personalisiertes Musikfernsehen auf einen Klick, bietet tape.tv jedem Zuschauer sein Musikfernsehen: passend zu jede Lebenslage und immer so, wie er es mag. Nicht mehr „lean back“ oder „lean forward“ - beides verbinden wir zu einer neuen Art von Entertainment nach dem Motto „however you like it“.

Vor einem Jahr wurde Google TV groß angekündigt- mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Revolution von Google TV doch nicht so groß war. Auch in diesem Fall also: Viel Lärm um nichts?
Wir werden sehen, wie Google auch diese Hürde überwinden wird. Zur Zeit scheitert Google TV in Deutschland eher am Content als am Konzept.

Was hat sich sonst aus Deiner Sicht interessantes im TV, Web-TV, Bewegtbild getan?
Es ist jedenfalls ein explodierender Markt, in dem sich gezeigt hat, dass man viele Ideen braucht, um tragende Geschäftsmodelle zu entwickeln, nicht in der Nische zu landen und immer am Puls der Zeit zu sein. MTV und 3min sind Opfer dieser Entwicklung geworden. Neben tape.tv, das sich in den letzten zwölf Monaten unglaublich entwickelt hat, beginnen sich auch die klassischen TV-Sender wieder mit Musik zu beschäftigen - die besten Beispiele sind ARTEcreative und ZDFkultur.

ZDFkultur hat bewiesen, das eine junge Generation durchaus an Fernsehen interessiert ist, wenn die Themenwahl ihre Träume, Wünschen und Hoffnungen trifft. Sie werden eher von Pop als von Hochkultur beeinflusst - das spiegelt dieser Sender auf erfrischende Weise wieder.

Ein Jahr schlauer- wie wirds aus Deiner Sicht weitergehen?
Musikfernsehen wird in Zukunft noch personalisierter und sozialer werden. Die Aufgabe ist zu verstehen, wie stark mein soziales Umfeld mein Entertainment beeinflusst und wie wir aus der bisherigen Personalisierung des Netzes wirklich individuelle Personalisierung schaffen.

Darüber hinaus stehen viele Fragen an, die wir beantworten müssen: Wie kann man mit einem Musiksender global denken und gleichzeitig lokal handeln (Welches Programm sendet man in Frankreich / Welches in Skandinavien)? Wie schafft man es, von zwei Leuten auf 200 anzuwachsen und trotzdem, das Start Up-Blut am Kochen zu halten? Welche Geschichten erwartet man von Künstlern und Musikfernsehen 2011?

Vielen Dank!


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