Checkdisout: Research, Concepts, Lectures, Inspiration

Checkdisout #4 Recap: Interview mit Nikolai Longolius

Am 18. Mai 2010 hat Checkdisout in Zusammenarbeit mit Made for Full Screen neue Perspektiven, Formate und Macher von Bewegtbildinhalten im Kunstverein Hamburg vorgestellt. Seitdem ist mehr als ein Jahr vergangen. Wir haben ein Jahr danach mit Nikolai Longolius von schnee von morgen gesprochen und wollten wissen: was hat sich im letzten Jahr in der Branche und bei ihm getan?

Was hat sich bei Dir seit der Veranstaltung im letzten Jahr in beruflicher Sicht getan? Neue Projekte, neue tolle Sachen von anderen?

Wir haben mit der schnee von morgen webTV GmbH am 10. Juni gemeinsam mit dem SPIEGEL Verlag und SPIEGEL TV den webTV Sender SPIEGEL.TV gelauncht. Außerdem machen wir als technischer Dienstleister inzwischen das Videotranscoding für tape.tv. Schon damit hat sich checkdisout für uns gelohnt, da durch das Podium der Kontakt mit tape.tv entstanden ist.

Auf dem Panel hast Du gesagt "Die Fernsehwelt und die Internet Welt schmusen einfach nicht miteinander."“ Hat sich das mittlerweile verändert?

Ja. Aber es handelt sich um eine sehr zaghafte Annäherung. In den USA kann HULU inzwischen auf gleicher Augenhöhe mit den Fernsehnetzwerken um fiktionale Serien mitbieten. Davon sind wir in Deutschland noch ca. drei Jahre entfernt. Aber spätestens mit dem Projekt SPIEGEL.TV gibt es wirtschaftlich erfolgreiches webTV in Deutschland.

Vor einem Jahr wurde Google TV groß angekündigt- mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Revolution von Google TV doch nicht so groß war. Auch in diesem Fall also: Viel Lärm um nichts?

Dass Android perspektivisch das vorherrschende Betriebssystem für Tablets und TV-Geräte wird, halte ich für wahrscheinlich. Ich glaube, dass das deutsche Street View Debakel Google in den nächsten Jahren davon abhalten wird, in Deutschland Innovationen bevorzugt auszuliefern. Das ist tragisch.

Was hat sich sonst aus Deiner Sicht interessantes im TV, Web-TV, Bewegtbild getan? (Wie bewertest du 3min.de, ARTEcreative, ZDFkultur,...)

Es ist sicher kein Zufall, dass in deiner Aufzählung das einzige nicht öffentlich rechtliche Projekt bereits den Betrieb eingestellt hat (nämlich 3min.de). Obwohl ich den aus Gebührengeldern produzierten Content sehr schätze, müssen wir sehr aufmerksam sein, welche Geschäftsmodelle mit diesen Subventionen erschwert werden und welche unmöglich gemacht werden.

Ein Jahr schlauer- wie wirds aus Deiner Sicht weitergehen?

Ich glaube, dass wir mit der schnee von morgen hier auf einem richtigen Weg sind. Das Projekt SPIEGEL.TV ist mir persönlich sehr ans Herz gewachsen, da es momentan die Art und Weise repräsentiert, wie ich in Zukunft fernsehen möchte.

Ich glaube nicht, dass die nächsten Jahre von großen technischen Innovationen geprägt sein werden, sondern dass sich die Innovationen der letzten Jahre endlich durchsetzen werden.Die wichtigen nächsten Schritte werden hierbei der Breitbandausbau in ländlichen Gebieten sowie eine Reform des Urheberrechts insbesondere der Musikrechte sein.

Vielen Dank!

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