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Checkdisout Exklusiv Interview mit Kavinsky

Foto: Matthew. J Oliver

Bevor Vincent Belorgey zum toxischen Comiczombie Kavinsky wandelte, wußte er nicht was das Leben für ihn bereithalten würde. Der erste Computer ein Geschenk seine langjährigen Freundes Mr. Oizo - macht Kavinsky zum zwischenzeitlich zweit häufigst gebloggten Musiker weltweit wenn man denn hypemaschine als Gradmesser heranzieht. Wir haben mit Kavinsky vor seinem Gig in Hamburg gesprochen.

Bis zum weltweit gehandelten Elektro-Superact führten doch einige glückliche Umstände wie eine Daft Punk-Welttournee als Support-Act sowie Kollaborationen mit A-Trak und SebastiAn in die Musik und in ein Leben als 80er-Jahre Charakter, der nicht nur aufgrund seiner Tracks Testarossa Overdrive und Wayfarer als besserer Sonny Crockett im nächsten Miami Vice-Film mitspielen sollte oder mindestens den Soundtrack produzieren sollte.

Mit Nightcall legt er eine neue EP mit gleichnamigen Titel-Stück und dem Track Pacific Coast Highway vor, die gemeinsam mit Guy-Manuel de Homem-Christo (Daft Punk) produziert wurde, von SebastiAn (ed banger) abgemischt und dem Pariser Jackson (Warp) geremixt wurde.

Viele Produzenten und Bands würden jetzt gerne von Dir wissen, wie man zum zweitmeist gebloggtesten Musiker wird.

Das bedeutet mir gar nichts, denn Blogs bedeuten mir nichts. Ich achte nicht drauf was in Blogs passiert, denn es ist völlig willkürlich. Leute sind für Dich, Leute sind gegen Dich. Es gibt kein entweder oder. Es geht sehr schnell von unten nach oben und von oben nach unten gereicht zu werden.

Ist diese Schnelllebigkeit in Sachen Musikkritik und -konsum auch ein Grund, weswegen sich viele Musiker nicht mehr mit ihrem eigentlichen Ich, sondern in Form einer Kunstfigur präsentieren?

Als ich anfing Musik zu machen, wollte ich es erstmal ausprobieren. Bis dahin hatte ich ja noch keinen einzigen Track geschrieben. Ich startete mich in den Charakter reinzuversetzen, weil es mir auch beim Fantasieren meiner musikalischen Ideen half. Es gibt für mich einfach nichts Bescheuerteres als diese Muckerfotos von Bands und Musikern zu sehen, die immer gleich in die Kameras schauen und sch in Magazinen ablichten lassen. Ich mag es nicht echte Musikerfotos von mir zu sehen, Interviews mit mir zu hören. Ich fühle mich bescheuert dabei. Darum habe ich diesen Zombie erschaffen.

Braucht man heute vielleicht einfach diese Form von Kunstkonvergenz, um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu erregen?

Daft Punk ist für schon eine Art Vorbild in dieser Sache. Sie machen Musik, lassen Dich in Images eintauchen und visualisieren das Ganze auch noch. Das ist Unterhaltung. Das ist doch spannender, als den Leuten immer nur den Ernst der Produktion mitzuteilen. Es geht doch auch um das Kino im Kopf.

Apropos Kino: Bevor Du zur Musik gekommen bist hast Du versucht, Dich als Schauspieler zu etablieren.

Na ja, ich habe einige Jobs gemacht und bin auf Castings gerannt. Ich fande nur kaum etwas entwürdigender als die Castings, weswegen ich mit der Schauspielerei aufhörte, obwohl ich immer mal wieder für meinen langjährigen Freund Mr. Oizo vor die Kamera gegangen bin. Er war es auch, der in meiner schauspielerischen Zweifelsphase seinen alten Computer schenkte. Das war mein erster richtiger Computer, vorher habe ich ausschließlich Konsolen besessen. Es begann mir zu gefallen und ich fing an ein bisschen Müll aufzunehmen.

Ist es nicht absurd aus dem Schauspiel in die Musik zu wechseln?

Ich bin ja trotz einiger Rollen eher aus dem Nichts ins Nichts gewechselt...

...na ja, dafür läuft es doch ganz gut.

Wenn man bedenkt, dass ich zufällig in der Musik gelandet bin, ist es schon erstaunlich. Aus dem Pariser Randbezirk in die Justice-WG in Paris, und immer mal eine Film- und Musikvideoproduktion von Mr. Oizo. Das waren schon die Verbindungen, die mich zum größten Glückspilz der Szene werden ließen.

Mit diesem Netzwerk war der Weg zur neuen Figur der Pariser Electroszene ja bestens vorbereitet.

Ich habe dann Marc von Record Makers bei einem Videodreh von Sebastien Tellier getroffen und später ein paar man kann es nicht mal Demos nennen gegeben. Er war dann sehr, sehr freundlich, weil er sagte: "Das ist nicht gut, aber es ist auch kein Müll."“ Dann kam ich mit dem Testarossa-Track vorbei und er sagte: "Bingo los geht´s"“.

Und? Los gings?

Als glücklicher Bastard, der ich ich war, fragten Daft Punk SebastiAn und mich dann an. Wir sollten zu einer Besprechung kommen. Pedro sagte dann: "setzt euch hin. Könnt ihr auf unserem Auftritt in Paris spielen?"“ Ich ging aus ihrem Büro und die Luft war nicht mehr dieselbe. Nach der Parisshow, sollten wir dann im Süden Frankreichs spielen und dann fragten Sie, ob wir auch die Europatour mitmachen wollen natürlich wollten wir! Und dann ging es so weiter, es folgten Amerika und Japan. Es fühlte sich alles besoffen an.

Dabei war ich nicht mal ein Daft Punk Fan. Bei uns im Bezirk wurde Rap und Funk gehört. Daft Punk und all die anderen waren Techno und den mochten wir nicht...Erst 2001 habe ich die Musik für mich entdeckt. Das waren doch die Technodruffies. Da hatten wir kein Bock drauf ich hatte da echte Vorurteile...

Ist der 80ies-Style, der bei Deiner Musik hörbar ist, der Versuch nun beide musikalischen Welten zu verbinden?

Mein Sound ist jetzt nicht die Zukunft. Zumindest würde ich dass nie von mir behaupten. Dennoch hoffe ich, dass Leuten die Spielarten mit alten Sounds in einem frischen Umfeld gefallen. Ich fände es echt cool, wenn mein Leben, was natürlich 80er geprägt ist, nun durch den Sound die beiden Stile verbinden kann.

Genau das ist aber doch das Erstaunliche: Du schaffst es mit dem Gehör für alte Sounds und der übersetzung in das hippe Electroumfeld genau die Abgrenzung, die Kavinsky von diesem Ghettotech/Electrorave-Brei á la Crookers unterscheiden.

Ich kann das auch echt nicht hören. Ich hasse diese neuen, kaufbaren Synthiesounds. Das ist "spastic music"“. Einmal hören und dann ist es direkt wieder vergessen. Gute Musik muss man auch zu Hause hören können. Nicht sowas schreckliches wie Bloody Beetroot.

Deren Musik ist für Dich so wie wikipedia lesen, oder?

Ich kann es nur immer wieder sagen: Lest wikipedia nicht. Das ist wirklich voll mit Scheiße. Nicht nur dass sie mich sechs Jahre jünger machen, als ich wirklich bin. Am schönsten war die Geschichte als sie aus mir den Vater von Surkin, der auf Institubes veröffentlicht, machen wollten. Also: Lest das nicht!

Vielen Dank!

Testarossa Overdrive - video

Dead Cruiser - video

Kavinsky from thomas jacquet on Vimeo.


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1 Responses »

  1. Ich find Kavinsky und seine musik richtig cool schade das dass interview so kurz ist

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