Checkdisout: Research, Concepts, Lectures, Inspiration

Ad Wars: Interview mit Matthias Schmidt (Scholz & Friends)

matthias_schmidtMatthias Schmidt ist Partner und Vorstand der Scholz & Friends Group und Managing Director Kreation bei Scholz & Friends Hamburg.

Matthias Schmidt wurde 1970 in Frankfurt geboren. Er studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin und schloss 1998 sein Studium als Diplom-Kommunikationswirt ab. Seine Karriere begann Schmidt anschließend als Texter bei Scholz & Friends Berlin, wo er im Jahr darauf zum Senior-Texter und 2001 zum Creative Director und Family-Leiter aufstieg. 2005 wurde der national und international vielfach ausgezeichnete Kreative in das Management Board von Scholz & Friends Hamburg berufen und verantwortet in dieser Position die kreative Leistung der Agentur, insbesondere für namhafte Kunden wie Holsten, Honda, Commerzbank, Siemens Hausgeräte, Zimbo und Tchibo. Im April 2008 wurde Matthias Schmidt in den Vorstand von Scholz & Friends berufen. Gemeinsam mit Martin Pross verantwortet er seitdem die kreative Leistung der Agenturgruppe.

Inwieweit hat sich die Werbung aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren verändert?

Die Anzahl der Spielfelder wächst explosionsartig. Alles kann Medium sein. Nie gab es so viele Möglichkeiten für großartige Kommunikation. Nie gab es gleichzeitig so viele Möglichkeiten, an den Menschen vorbeizureden.

Wie gehen Sie mit diesen Veränderungen um?

Wir sind längst keine reine Werbeagentur mehr. Wir programmieren Apps für Mobiltelefone, wir bauen 3-D-Installationen für Marken, wir haben eine Truckflotte für Events und ja, wir machen auch Anzeigen.

Sind die Tage der klassischen Werbung gezählt?

überhaupt nicht. Aber es ist uncool, das zu behaupten. In Deutschland fließt immer noch ein riesiger Teil vom Budgetkuchen in die klassischen Kanäle. Und das überraschende ist: es funktioniert. Einer unserer Kunden hat gerade das erfolgreichste Geschäftsjahr seiner Geschichte. Mit einem 30 Sekünder, einer Anzeige und ein paar Bannern die man ja mittlerweile auch zur klassischen Werbung zählen kann.

Fallen Ihnen konkrete positive Beispiele für Innovationen in der Werbeindustrie ein (Strategie, Kampagne, Agenturmodell, Kreation)?

Ja natürlich. Tausende. Und sie werden ja auch in Cannes, in Workshops, auf Podiumsdiskussonen, in Blogs tausendfach wiederholt. Und alle finden die toll. Und trotzdem gibt es in Deutschland außer Horst Schlämmer für VW, das Hornbach-Haus und ein paar kleineren Sachen, wie unsere "Studieren in Fernost Kampagne"“, nichts, was in diese Richtung geht. Entweder ist der Leidensdruck dann doch nicht groß genug oder die Agenturen sind zu doof, das ihren Kunden zu erklären. Beides ist der Fall.

Immer wieder ist die Rede von neuen Werbeformen - in sozialen Netzwerken, als "Branded Entertainment" oder "Branded Utility". Sind das nur kurzlebige Trends oder erst der Anfang tiefgreifender Veränderungen?

Die eigentliche tiefgreifende Veränderung war das Internet. Darum steht gerade jeden Tag eine neue Werbeform vor der Agenturtür. Manche bleiben und manche gehen. Unsere Agentur lernt gerade, täglich zu lernen.

Wie viele Ihrer Kunden sind für neue Ansätze in der Kommunikation offen?

Im Prinzip alle. In Echt kommt noch zu wenig dabei rum. Die Experimentierfreude hat bei allen Kunden zugenommen. Das ist gut. Neue Ansätze werden aber eher als Testballons auf kleinen Baustellen gestartet. So trainieren Kunde und Agentur gemeinsam für die großen Aufgaben. Und die werden kommen.

Schon heute kann man sich eigentlich jede Form der Unterhaltung "on demand" abrufen, die Auswahl von Programmen und Inhalten wird immer persönlicher. Was bedeutet das für die Werbung?

Mit dem Internet wächst eine Generation heran, die nur noch "on demand"“ denkt. Für die Werbung, auch die ganz klassische, bedeutet das: "Wenn ich das nicht will, schau ich's mir auch nicht an."“ Die kreative Latte hängt also höher.

Wird es immer schwieriger, Menschen mit Werbung zu erreichen?

Das war schon immer sauschwierig, wenn ich nichts Interessantes zu erzählen habe. Aber früher gab es halt nur drei Fensehsender, heute gibt es mehrere Hundert und bei denen kann man auch noch die Werbung ausblenden. Deshalb suchen wir ja alle nach innovativen Formen, an die Leute ranzukommen. Nicht jeder will aber einen Dialog mit einer Zahnpastamarke führen. Nicht jeder will Videos selbst drehen, irgendwo hochladen und dann darüber diskutieren. Manche Leute freuen sich dann doch über ein gutes Angebot mit einem guten Preis auf einem guten Plakat.

Vielen Dank!

Leave a Response