Stamen kartografiert die unsichtbaren Buslinien ins Silicon Valley.

Stamen sitzt mitten in San Francisco und hat sich mit dem südlich liegenden Silicon Valley auf eine ganz eigene Art auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt des Projekts The City from the Valley, 2012 | Stamen Design steht der Verkehrsfluss privater, von Unternehmen wie Google oder Apple betriebenen, Buslinien. Das besondere am Silicon Valley ist nicht nur die Anhäufung innovativer Unternehmen, sondern auch die Umkehrung der traditionellen Raumverhältnisse zwischen Suburb/Peripherie und Innenstadt. Während die Bewohner in Ballungszentren normalerweise vom Rand ins Stadtzentrum pendeln, verhält sich San Francisco genau umgekehrt:

“For Silicon Valley, however, the situation is reversed: many of the largest technology companies are based in suburbs, but look to recruit younger knowledge workers who are more likely to dwell in the city.”
– Stamen

Stamen hat mit Hilfe seiner Eigengewächse Field Papers, Dotspotting und letztlich dem Einsatz von Fahrradkurieren, ein unsichtbares alternatives Transportnetzwerk inmitten der Stadt San Francisco sichtbar gemacht. Denn: die Buslinien der großen Silicon Valley Firmen haben natürlich keine offiziellen Bushaltestellen im Stadtraum- sie existieren viel mehr als virtuelle Orte in Location-Diensten wie Foursquare. Doch auch mit Hilfe klassischer Beobachtung und Verkehrszählung konnte Stamen wertvolle Erkenntnisse für die Kartographie der Silicon Valley Buslinien sammeln:

“We decided to try some dedicated observation. We sat at 18th & Dolores one morning, and counted shuttles. We counted a new shuttle every five minutes or so; several different companies, high frequency.”
– Stamen

Einer groben Schätzung zu Folge transportieren die Corporate Shuttles ungefähr 35% der Caltrain Passagiere an einem Tag. Allein Google, so Stamen, führt rund 150 Fahrten pro Tag durch die Stadt zum Silicon Valley durch.

The City from the Valley wird im Rahmen der ZERO1’s Biennial exhibition ausgestellt.

Olympisches Datengold.

Der englische Guardian sticht mit einer erstaunlich einfachen Webseite hervor. Die Idee dahinter: fast jeden Olympia-Fan dürstet es nach Rekorden. Auch wer kein Vollblut-Fan sein mag, will vielleicht wenigstens mitreden können. Die Seite Was an Olympic Record set Today? beantwortet also lediglich die Frage, ob heute ein olympischer Rekord gebrochen wurde- nicht mehr und nicht weniger- mit einem simplen Ja oder Nein. (via FlowingData). Ein Konzept, das hervorragend zur Idee der Secondary Attention des englischen Co-Gründers der Really Interesting Group und erklärtem Olympia-Fan Russell Davies passt.

 

Dass man das gleiche Thema auch in andere Sphären der Komplexität bringen kann beweist der amerikanische Mischkonzern General Electric. Die in Zusammenarbeit mit R/GA entwickelte Visualisierung World of Records lässt uns in sämtliche Rekorde der Sommerspiele seit 1900 eintauchen. Diese lassen sich je nach Zeitraum, Sport, Bestmarke oder Geografie filtern.

 

Die Visualisierungen des brasilianischen Designers Gustavo Sousa gehen in der Serie oceaniaeuropeamericasafricaasia einen subversiveren Weg (via FastCo Design). Sousa nimmt die fünf farbigen olympischen Ringe als Blaupause für eine Info-Grafik der etwas anderen Art. Anstatt Rekorde zu visualisieren, nimmt er sich Statistiken an, die sonst eher hinter den Kulissen der Spiele bleiben sollen. Beispielsweise die Zahl der Gefängnisinsassen, den Anteil an TV-Haushalten oder der einzelnen olympischen Kontinente am Gesamtverkauf von Coca-Cola. Jeder Kreis repräsentiert einen Kontinent, die Größe der Kreise entspricht der Gewichtung des jeweiligen statistischen Anteils.

 

Die Emoto-Visualisation, enstanden in Zusammenarbeit von Moritz StefanerFutureEverything, und Studio NAND (via infosthetics), untersucht twitter-Nachrichten auf ihren emotionalen Gehalt. So will man die Begeisterung rund um die olympischen Spiele sichtbar machen und erhält als Nutzer statistischen Einblicke darüber, dass in den letzten 60 Sekunden satte 308 enthusiastische Tweets über den digitalen Äther gelaufen sind. Was man mit dieser Information anfängt, ist jedem selbst überlassen. Irgendwie schön anzusehen ist es schon- aber ist Emoto mehr als eine dynamische Illustration des Geschehens?

 

Als Pionierin der interaktiven Features sticht auch 2012 wieder die New York Times hervor. In kurzen Videoclips werden technische Feinheiten ausgewählter olympischer Sportarten von Weltklasse-Athleten und deren Trainern erklärt. Auf diese Weise werden die Leistungen der Athleten in einer Art aufbereitet, die es bislang in der klassischen TV-Berichterstattung nicht gab. So können sich sowohl interessierte Laien als auch Hobbysportler die Tipps direkt von den Profis holen. Die NYT bietet in dieser Serie HürdenlaufBocksprungStaffellauf oder Schmetterling.

 

Nachtrag: Einen Überblick aller NYT Olympia-Visualisierungen gibt es hier