Checkdisout: Research, Concepts, Lectures, Inspiration

Our Future Mobility Now: Interview mit Christiane Krebs-Hartmann und Ines Roessler (Volkswagen AG)

Der Verband der Europäischen Automobilhersteller, ACEA, hat unter Vorsitz von Dr. Dieter Zetsche vom 22.–24. Mai 2011 eine Konferenz zur Zukunft der Mobilität ausgerichtet. Mit Our Future Mobility Now hat die europäische Automobilindustrie einen großen Schritt getan: den Dialog mit den Autokunden der Zukunft begonnen.
45 junge Delegierte aus ganz Europa trafen sich in der Brüsseler Autoworld, um Ideen zur Zukunft der Mobilität zu entwickeln, und diese den CEOs der europäischen Automobilherstellern vorzustellen.
Checkdisout war vor Ort und hat dort Christiane Krebs-Hartmann und ihre Kollegin Ines Roessler aus der Konzernforschung von Volkswagen, Fachbereich Zukunftsforschung und Trendtransfer getroffen.

 

Was waren Ihre Erwartungen, als Sie zu Our Future Mobility Now eingeladen wurden?

Christiane Krebs-Hartmann: Wir arbeiten in der Zukunftsforschung häufig mit jungen Menschen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen. Das sind oft Designer, auch Ökonomen. Unsere Erwartung war, auf junge Menschen zu treffen, die ein sehr hohes Reflexionsvermögen haben und auch den Wunsch und den Willen, etwas zu verändern. Auch Menschen , die kritisch denken und die sich  dafür interessieren "Wie geht es denn mit uns und mit unserer Zukunft weiter?"“ Genau das haben wir hier auch vorgefunden. Also engagierte Menschen die darüber nachdenken, welchen Beitrag sie für die Zukunft leisten können. Infolgedessen hat die Veranstaltung meine Erwartungshaltung um zurückzukommen auf die Frage komplett getroffen.

Frau Roessler, geht Ihnen das auch so, was war Ihre Erwartung?

Ines Roessler: Wir von Volkswagen sind schon sehr lange in diesen ganzen Prozess der Planung dieses Events eingebunden gewesen und natürlich hat man da auch oft so ein bisschen die Befürchtung, dass die Erwartungen vielleicht zu hoch gesetzt werden und dass die Teilnehmer diese Erwartungen nicht erfüllen können. Aber ich bin eigentlich sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Und das trotz der geringen Zeit, die hier allen zur Verfügung stand und der Tatsache, dass man sich hier in einer Sprache bewegt, die vielleicht auch nicht die eigene ist. Dadurch ist es sehr schwierig , zumal, wenn man die anderen Teilnehmer nicht kennt, innerhalb von kürzester Zeit mit sehr brauchbaren Ideen herauszukommen. Ich bin wirklich begeistert, wie toll das umgesetzt wurde.

Haben Sie im Unternehmen ähnliche Prozesse, die genauso funktionieren oder haben sie die Möglichkeit, Veranstaltungen in einem ähnlichen Rahmen wie hier durchzuführen oder würden sie sagen: so etwas  kann nur jemand wie der europäische Verband der Automobilhersteller ACEA umsetzen?

Christiane Krebs-Hartmann:  Wir führen  regelmässig Ideenworkshops durch. Der Rahmen ist ganz ähnlich. Wir stellen die Rahmenbedingungen zukünftiger Mobilität vor- was kommt auf uns zu, was passiert im Bereich Wirtschaft, Ökonomie, Ökologie, Gesellschaft, Technologie, Politik und entwerfen dann ein Zukunftsbild für die Kollegen anderer Abteilungen Im Laufe dieses Prozesses werden Ideen generiert, z.B. beim Thema Klimawandel beschäftigt uns unter anderem die Frage: arbeiten wir  mit den richtigen Dienstleistern , müssen wir hier vielleicht  ganz andere Kriterien überlegen, welche Kompetenzen werden benötigt?

Ihre Gruppe hat sich mit dem Thema Urban Communities Tomorrow beschäftigt. Was sind in diesem Bereich die wichtigsten Einflussfaktoren aus Sicht von Volkswagen?

Christiane Krebs-Hartmann: Ein wichtiger Einflussfaktor sind natürlich politische Restriktionen, es gibt City-Maut, es gibt  auch in für uns auch wichtigen Regionen einen großen Einfluss der Politik,  z.B. zur verkehrlichen Situation. Ich hörte vor kurzem einen chinesischen Botschafter a.D. , der sagte:

“wir tun alles was unserem Land Stabilität gibt und was uns weiterentwickelt. Und das bedeutet für die Chinesen natürlich auch mit ihrem Energiebedarf und dem Wunsch nach Mobilität vernünftig umzugehen. Insofern spielt auch das Bewusstsein der Menschen, in Anbetracht von Klimaveränderung und Klimawandel Alternativen zu suchen, eine wichtige Rolle. Fukushima hat dieses Bewusstsein mit Sicherheit auch noch mal getrieben.

Community und Informationstechnologien und auch schneller über Themen informiert zu werden, als das früher möglich spielt eine weitere große Rolle. Dinge, die Unternehmen tun, die Individuen tun , werden überprüfbarer, wahrnehmbarer und transparenter. Das betrifft nicht nur die Automobilindustrie, sondern alle Industrien. Der Kunde möchte wissen, wo kommen Produkte her, wie werden sie hergestellt?

Ines Roessler: Ich glaube, das haben wir hier auch gemerkt beim Workshop, dass es auch um so einfache oder ganz eklatante Dinge geht wie z.B. Lärmbelästigung. Das kam hier immer wieder zur Sprache oder aber das Thema saubere Luft. Dieses sind Grundbedürfnisse, die der Mensch mittlerweile auch für sich erfasst hat und dass bestimmte Bedingungen in der Zukunft nicht mehr tragbar sind, die man einfach ändern muss.

Im Workshop hatten Sie die Gelegenheit, mit jungen Delegierten aus ganz Europa zu diskutieren. Wie hat die Diskussion funktioniert? Welches sind die Top Ideen, die im Workshop entwickelt wurden?

Christiane Krebs-Hartmann: die Ideen, die ich hier gesehen habe, sind wirklich gute Einzelideen, und während sie vorgetragen wurden hatte ich den Eindruck, dass jede Idee mit eigentlich einer anderen kombiniert werden könnte. Z.B. so etwas wie ein European delivery sytem for baggage oder suitcases. So eine Idee finde ich gut und übrigens auch machbar, es ist relativ schnell umsetzbar. Oder auch die Möglichkeit des charging for trucks and small vehicles for delivery services. Auch das ist ein Thema, was infrastrukturbegründet ist. Es geht uns Automobilhersteller an, aber auch die Kommunen.

Was bei vielen, fast allen Ideen immer klarer wird ist, dass eine Automobilindustrie verkehrliche Probleme nicht alleine lösen kann, dass, wenn es explizit um das Thema Stadt geht, dort natürlich auch die städtischen Vertreter ihren Beitrag leisten müssen..

Könnten sie ausführen was die komplette Idee hinter der last mile war?

Christiane Krebs-Hartmann: Die Idee war, dass man kurze Wege zur eigentlichen Destination mit alternativen Mobilitätsträgern nutzt, egal ob das ein e-scooter ist, ob das ein e-bike ist, ob das ein Roller ist -  die letzte Strecke legt man ressourcenschonend zurück. Dieses Konzept der last mile bewegte die jungen Menschen hier sehr.

Hatten sie einen Favoriten oder ein Lieblingskonzept/Idee die in den zwei Tagen Workshop entstanden ist?

Ines Roessler: Sehr charmant fand ich den Gedanken eines Teilnehmers zu sagen, es gibt sehr viele Leute, die downtown arbeiten. Wenn man diese Leute an den "Rand der Stadt" verbannt, dann wäre sehr viel Luftverschmutzung, sehr viel Dreck aus der Stadt entfernt. Man hat sich dann überlegt, Office-Büros an den outskirts, an den Randbezirken der Stadt anzusiedeln, und dann dort den Arbeitern PCs, Tische, Stühle bereitzustellen, um einfach ein bisschen die Stadtkerne zu entspannen, und der charmante Gedanke dahinter war eben auch, dass sich um diese Office-Gebäude herum auch wieder eigene kleine Zentren bilden können. Es würde eine eigene Infrastruktur geben, mit Kinos, Geschäften und Restaurants, das fand ich sehr schön.

Wie können Autokonzerne, dabei denke ich nicht nur an Volkswagen, diese Ideen auf die Straße bringen?

Christiane Krebs-Hartmann: Vieles ist in Ansätzen schon vorhanden oder ist in Arbeit--unsere Aufgabe hier war ja nicht da zu sitzen und zu sagen: das haben wir alles schon, das ist schon in petto!. Wir arbeiten an vielen Ideen, es waren hier ein paar neue Aspekte dabei. ich sage einmal , vieles von dem was wir hier hörten, hat uns darin bestätigt, dass wir schon auf einem ganz guten Weg sind.

Unsere Aufgabe in der Forschung ist es , Ideen und Konzepte zu entwickeln, auf Machbarkeit zu prüfen, und sie mit unseren Kunden abzustimmen-  das ist schon ein relativ langer Prozess.

Ines Roessler: Wir denken natürlich auch darüber nach, einigen dieser jungen Leute Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen, dann wird man sehen wie sich das entwickeln wird, und weitere Ideen entstehen, da ist ja noch ganz viel Potential da, dass man sagt man bietet einfach mal etwas mehr oder längere Zeit zum überlegen an, und schaut wie sich die jungen Leute dann entwickeln.

Was würden Sie sich wünschen, wie dieser Dialog-Prozess weitergehen sollte?

Christiane Krebs-Hartmann: Wir haben uns dazu mit den ACEA-Vertretern getroffen. Was in jedem Fall erhalten bleibt, ist die Webseite, über die alle Teilnehmer informiert wurden über die Veranstaltung. Dieser Dialog muss in jedem Fall fortgesetzt werden. Ob danach die beteiligten Firmen Interessierte zu sich einladen, durch verschiedene Abteilungen führen, das ist die Initiative der Unternehmen. Für Volkswagen kann ich mir das gut vorstellen. Ich wünsche mir, dass ACEA  mit jungen Menschen, die Zukunft gestalten wollen, weiter im Dialog bleibt.

Vielen Dank für das Gespräch!


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